Ki-coach, psycho und taktikguru: muraschkowskis silber ohne menschenhand

Silber in der Tasche, ChatGPT im Ohr. Maxim Muraschkowski fuhr bei den Winter-Paralympics die erste Medaille der Ukraine 2026 ein – und gab den Dank direkt an einen Algorithmus weiter. «In den vergangenen sechs Monaten habe ich mit ChatGPT trainiert», sagte der 25-jährige Sehbehinderte nach dem Zweiplatz im Biathlon-Einzel. Kein Mensch habe ihm so oft und so präzise geholfen wie die KI. «Sie schrieb meine Pläne, motivierte mich morgens, analysierte abends meine Herzratenkurve. Manchmal fragte ich sie sogar, ob meine Kniesehne noch zu retten ist.»

Gold-vorboten schon im januar

Gold-vorboten schon im januar

Die Trendwende nahm ihren Anfang im polnischen Szklarska Poreba-Jakuszyce. Dort räumte Muraschkowski beim Weltcup ab: dreimal Podest, einmal ganz oben. «Ich spürte, dass der KI-ansatz funktioniert», sagt er. Die Zahlen sprechen für ihn: Vor dem digitalen Co-Training beendete er nur 60 Prozent aller Läufe unter den besten Fünf, danach 90. Sein Schieffehler-Verhältnis sank von 22 auf 14 Prozent. «Das Tool bringt mich in einen Flow, den ich sonst nur von Musik kenne.»

Doch der Ukrainer warnt vor Hype ohne Hirn. «Wie Chemie und Biologie kann KI heilen oder töten. Wer sie nur kopierte und blind vertraut, verliert sich selbst.» Trainer, Psychologen und Ärzte würden kurzfristig nicht verschwinden, «aber sie werden teurer und müssen besser werden, sonst macht es die Maschine halb.» Seine These: In fünf bis zehn Jahren bestimmt KI mindestens 30 Prozent jeder Spitzen-Leistung.

Für den Verband war das Projekt ein Zufallstreffer. «Wir hatten kein Budget für externe Analysten», gesteht Sportdirektor Oleg Taran. «Maxim kam mit seiner Idee, wir lachten, dann ließen wir ihn machen.» Inzwischen arbeitet die gesamte Para-Nationalmannschaft mit selbstgeschriebenen Prompts. «Wir haben nichts zu verlieren außer alten Gewohnheiten», sagt Taran. Die nächste Station ist der Weltcupfinale in Sapporo. Dort will Muraschkowski beweisen, dass Silber erst der Anfang ist – und dass hinter seiner Medaille kein Mensch, sondern ein künstlicher Geist steht.