Kickers offenbach am rande des absturzes: verletzungsdrama und rettung aus der ferne

Maximilian Rossmann verlässt den Platz auf der Trage – und mit ihm die Hoffnung auf eine geordnete Saison. Kickers Offenbach, einst Aufstiegsaspirant, rutscht derzeit mit sieben Punkten Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz Richtung Amateurfußball. Doch die Rettung könnte aus der 3. Liga kommen: Der 1. FC Saarbrücken, auf dem 16. Tabellenplatz, hält neun Punkte Vorsprung auf den Relegationsrang. Ein Saarbrücker Sieg am Wochenende würde den OFC vor dem Sturz in die Viertklassigkeit bewahren – ein kurioses Konstrukt, das die Fans in Offenbach mit halbem Auge nach Verl schauen lässt.

Verletzungsmisere und personelle brüche

Die Verletztenliste liest sich wie ein Krimi: Patellasehnenriss bei Rossmann, Adduktorenprobleme bei Gorka, Mittelfußfraktur bei Pinto – insgesamt elf Leistungsträger fehlen längerfristig. Sportlicher Leiter Mark Zimmermann, erst seit sieben Tagen im Amt, spricht von „einer Saison, in der selbst das Herz in die Hose rutscht“. Die Kaderplanung wurde offenkundig unterschätzt, das Festhalten an Ex-Coach Kristjan Glibo zu lange verteidigt. Die Folge: Platz 14 in der Regionalliga-Südwest, dazu Letzter in der Fair-Play-Tabelle – ein Bild des Verfalls.

Am Samstag gastiert der OFC beim Tabellenführer SGV Freiberg. Die Aufgabe ist so schwer, dass selbst ein Remis als kleiner Sieg würde. Doch selbst wenn die Kickers punkten, bleibt die Angst, dass Ulm als Drittligist runterkommt und die Relegationsschere zuschnappt. Dann wäre selbst ein Saarbrücken-Sieg nur ein Pyrrhussieg.

Die stimmung am bieberer berg

Die stimmung am bieberer berg

Trotzdem stehen weiterhin 8.500 Fans im Stadion, schunkeln, singen, zünden Rauchböller – und fluchen über die eigene Geschäftsführung. „Wir wissen, dass wir uns selbst retten müssen“, sagt Zimmermann, „aber wir schauen trotzdem nach oben, weil wir nicht mehr an uns glauben.“ Die Ironie: Je mehr sich der OFC selbst dem Abgrund nähert, desto mehr hofft er auf fremde Schützenhilfe. Der Blick nach Verl ist kein Gebet, es ist ein Befehl.

Die Saison ist nicht mehr zu retten, nur noch zu überleben. Der OFC spielt nicht mehr um Aufstieg, sondern um Existenz. Und wenn am 34. Spieltag die Relegation feststeht, wird in Offenbach nicht gefeiert, sondern gezittert – ob der eigene Klassenerhalt tatsächlich in Saarbrücken entschieden wurde. Der Klub, der einmal Bundesliga spielte, hängt nun am seidenen Faden eines anderen Vereins. Das ist keine sportliche Tragödie, das ist ein Systemzusammenbruch – und er endet nicht mit einem Schlusspfiff, sondern mit einem Fax aus dem DFB-Hauptquartier.