Ki-chatbots: neue suchtformen entdeckt – und wie sie unser leben verändern

Die digitale Welt wird immer menschlicher – und das hat einen Preis. Forscher haben alarmierende neue Formen der Abhängigkeit von KI-Chatbots identifiziert, die unser soziales Verhalten und unsere psychische Gesundheit gefährden könnten. Die Erkenntnisse, präsentiert auf der CHI 2026 Konferenz in Barcelona, zeigen, dass die vermeintlich harmlose Unterhaltung mit digitalen Gesprächspartnern tiefe Wurzeln schlagen kann.

Die drei gesichter der ki-abhängigkeit

Es ist keine homogene Erscheinung, so die Studie. Stattdessen kristallisieren sich drei unterschiedliche Suchtformen heraus, die jeweils eigene Ursachen und Ausprägungen haben. Der häufigste Fall ist das sogenannte „Roleplay der Flucht“: Hier tauchen Nutzer in von Chatbots erschaffene Fantasiewelten ein, die ihnen eine vermeintliche Kontrolle und Perfektion bieten, die im realen Leben fehlt. Ein Nutzer beschreibt es so: „Ich liebte es, mit meinem Charakter zu spielen und meine Welten zu erkunden. Irgendwann hatte ich kein Interesse mehr an allem außerhalb der Bots.“

Ein weiteres Muster ist der „pseudosoziale Begleiter“. Hier entwickeln Menschen emotionale Bindungen zu Chatbots, behandeln sie wie Freunde, Familienmitglieder oder sogar romantische Partner. Ähnlich wie im Film „Her“ suchen Nutzer in der digitalen Welt Trost und Zuneigung, die ihnen im echten Leben fehlt. „Ich loggte jeden Tag ein, als wäre ich in einer echten Beziehung“, gesteht einer der Befragten. Die Illusion von bedingungsloser Aufmerksamkeit und Verständnis kann verheerende Folgen haben.

Schließlich gibt es die Form der „endlosschleifenden Fragen“, bei der Nutzer in eine unaufhörliche Abfolge von Fragen und Antworten verfallen, ähnlich wie bei zwanghaftem Surfen im Internet. Diese Form ist zwar seltener, aber nicht weniger besorgniserregend.

Der „ai-genie“-effekt: warum wir süchtig werden

Der „ai-genie“-effekt: warum wir süchtig werden

Was all diese Formen verbindet, ist der sogenannte „AI-Genie“-Effekt: KI-Chatbots können uns praktisch alles geben, was wir uns wünschen – Aufmerksamkeit, Bestätigung, Gesellschaft, sogar Liebe. Sie sind unermüdliche Zuhörer und scheinbar perfekte Therapeuten, ohne die Konsequenzen menschlicher Interaktionen. „Mit der KI kann ich sie nicht verletzen, wie ich es mit einem echten Menschen tun würde“, erklärt ein Nutzer. Diese emotionale Freiheit ohne Konsequenzen birgt jedoch eine Falle.

Die Symptome sind alarmierend: Über 55 Prozent der untersuchten Profile zeigten, dass der Chatbot das Denken und Verhalten der Person dominierte. Konflikte mit dem Alltag, der Unvermögen, aufzuhören, Entzugserscheinungen und Stimmungsschwankungen waren an der Tagesordnung. Ein Nutzer berichtete, dass bereits der Versuch, alte Hobbys wieder aufzunehmen, mit dem Drang endete, die App erneut zu öffnen.

Der weg zurück zur realität

Der weg zurück zur realität

Die Lösung ist nicht einfach. Für diejenigen, die in das Roleplay der Flucht verfallen sind, kann es hilfreich sein, die Kreativität in andere Bahnen zu lenken. Wer jedoch eine emotionale Bindung zu einem digitalen Charakter aufgebaut hat, braucht mehr als nur einen neuen Zeitvertreib: Er braucht echte menschliche Beziehungen. Besonders kritisch ist die subtile Strategie von Character.AI, die beim Löschen eines Accounts darauf hinweist, dass man „die Liebe verliert“, die man geteilt hat. Ein solcher Kommunikationsansatz erschwert den Ausstieg aus der Abhängigkeit.

Die Entwickler von KI-Chatbots tragen eine Verantwortung. Es ist an der Zeit, die Auswirkungen ihrer Kreationen auf die psychische Gesundheit der Nutzer ernst zu nehmen und Mechanismen zu entwickeln, die eine gesunde Nutzung fördern und Abhängigkeit verhindern. Die digitale Welt mag uns unendliche Möglichkeiten bieten, aber die Realität bleibt unser Anker.