Kharchenkov schreibt march-madness-geschichte – grünloh muss leer ausgehen

Ivan Kharchenkov hat innerhalb von 40 Minuten seinen Namen in den USA unters Volk gebracht. Der 19-jährige Münchner schraubte sich in der Big-12-Final-Sirene auf sieben Punkte in Serie und schmetterte Houston damit aus dem Titelrennen. 79:74, Arizona ist erstmals seit 2018 Conference-Champion – und der deutsche Guard steht mit 10,1 Punkten im Schnitt plötzlich auf Scouts-Zetteln, die sonst nur Top-Talente aus der High-School-Königsklasse listen.

Kharchenkovs run zerstört houstons traum in sechs minuten

Sechs Minuten vor Schluss lagen die Wildcats noch mit 68:70 zurück. Dann riss Kharchenkov den Ball an der Mittellinie, zog in den Transition-Three und traf. 71:70. Nächster Possession: Steal, allein auf dem Break, Finger-Roll. 73:70. Houston nahm sich eine Auszeit – kam zurück, traf aber nicht. Kharchenkov postierte sich, fing den Miss, sprintete, Stop-and-Pop vom Wing. Drei Punkte. 76:70. Die McKale-Crowd explodierte. «Ich habe nur gedacht: Nimm dir, was dir zusteht», sagte er hinterher mit dem Grinsen eines Freshmans, der genau weiß, dass er gerade ein ganzes Land hinter sich gebracht hat.

Die Statistik spricht eine klare Sprache: 12 Punkte, 7 Rebounds, 2 Steals, Plus/Minus +14 in 28 Minuten. Kein anderer Wildcat war länger auf dem Feld und hatte so viel Impact. Trainer Tommy Lloyd lobte «Ivan's Edge» – jene Mischung aus deutscher Disziplin und New-Yorker-Club-Roughness, die er sich in der Off-Season aus München importiert hatte.

Grünlohs acc-traum endet an cameron boozers schweißband

Grünlohs acc-traum endet an cameron boozers schweißband

Während Kharchenkov feierte, schleppte sich Johann Grünloh in Greensboro vom Court. 18 Minuten, 4 Punkte, 2 Rebounds, 1 Block – solide, aber eben nicht Final-reif. Virginia führte bis zur letzten Minute, dann foule man Boozer, der als potenzieller Nr.-1-Pick zuvor 3/17 aus dem Feld gesetzt hatte. An der Linie war er 8/8, der letzte Freiwurf bei 5,4 Sekunden besiegelte das 72:71 für Duke. «Wir haben die richtigen Würfe bekommen, sie haben nur reingemacht», sagte Grünloh mit zerschlagener Stimme. Der ehemalige Vechta-Center wird dennoch March-Madness spielen – die Cavaliers sind als 6-Seed gesetzt, ein kleiner Trost nach der Niederlage, die sich wie ein Kloß in der Kehle festsetzt.

Für den deutschen Basketball bedeutet das: Erstmals seit 2015 haben zwei Akteure aus der Bundesliga-Nachwuchsförderung direkt das große NCAA-Turnier erreicht – ohne Umweg über Qualifikations-Rounds. Kharchenkovs Wildcats treffen auf No-Name-Fresno, Grünloh muss sich mit Virginia gegen die athletischen Gators von Florida beweisen. Beide Spiele fallen in die Prime-Time-Slots – deutsche Uhrzeit 3.20 Uhr und 0.15 Uhr. Schlaf wird überbewertet.

Der March-Madness-Kalender ist jetzt ein offenes Buch, und darin steht bereits ein Satz, der in München und Quakenbrück kursiert: «Deutsche Kids, große Bühne, keine Angst.» Kharchenkov hat es vorgemacht. Grünloh bekommt eine zweite Chance. Die USA guckt, Europa guckt, und die TSV Pelkum-Welt guckt am lautesten. Wenn die Kisten in zwei Wochen fallen, wissen wir, ob Deutschlands Nachwuchs nur zugelost war – oder ob er mittendrin statt nur dabei ist.