Kharchenkoks wilder ritt: deutscher rookie schreibt march-madness-geschichte
Ivan Kharchenkov ist noch 19, trägt aber schon das deutsche Basketball-Trikot der Hoffnung. Mit Arizona gewann er 79:64 gegen Purdue, stellte 18 Punkte und acht Rebounds auf – und schaffte als erster deutscher Freshman seit 14 Jahren den Sprung ins Final Four.
Kharchenkovs feuer verbrennt purdue
Die Wildcats lagen zur Pause 30:38 zurück, Kharchenkov hatte nur drei Punkte. Dann kam das dritte Viertel. Ein Dreier, ein Steal, ein Dunk – binnen 145 Sekunden drehte sich die Halle. „Er spielte wie besessen“, sagte Coach Tommy Lloyd. 7/11 Würfe traf der ehemalige Bayern-Junior, seine Rebounds verteidigte er mit dem Ellenbogen-Meter eines alten Centers.
Die zweite Hälfte endete 48:26. Koa Peat warf 20 Punkte, Kharchenkov lieferte die Energie. Die Kennzahl: Arizona erzielte 17 Fast-Break-Punkte, Purdue nur zwei. Das ist kein Zufall, sondern Ausdruck einer jungen Mannschaft, die gelernt hat, dass Defense im March Madness die bessere Offense ist.

Deutscher titel-coup nach zwölf jahren
Niels Giffey war 2014 der letzte Deutsche, der den NCAA-Pokal in die Höhe stemmte. Nun könnte Kharchenkov nachziehen. Im Halbfinale wartet entweder Michigan mit dem Stuttgarter Malick Kordel oder Tennessee. Ein rein deutsches Duell ist drin – und wäre ein PR-Coup für die Bundesliga, die seit Jahren um Nachwuchs wirbt.
Die Liste deutscher Champions ist kurz: Henrik Rödl (1993), Christian Ast (1999), Magnus Pelkowski (2000). Kharchenkov würde als jüngster deutscher Final-Four-Spieler in diese Riege einschwenken. Samstagabend in Indianapolis, 20.49 Uhr Ortszeit, steigt das Halbfinale. ESPN pundits setzen Arizona bereits auf Platz eins der Power Rankings.
Bielefeld wartet auf ihren einsatz
Weibliche Seite der Medaille: TCU schaffte mit 79:69 gegen Virginia das Viertelfinale, doch Clara Bielefeld blieb auf der Bank. Die 18-jährige Point Guard ist trotzdem heißer Kandidat für die Heim-WM in Berlin (19.–29. September). Bundestrainer Lisa Thomaidis will junge Beine für das Pressing-System. Bielefelds Spielzeit könnte also erst noch kommen.
Kurz vor Schluss noch ein Name: Keaton Wagler. Der Shooting Guard von Illinois warf 25 Punkte gegen Houston und buchte ebenfalls das Ticket nach Indianapolis. Scout-Services sehen ihn als möglichen Lottery-Pick. Wenn Kharchenkov und Wagler im Finale aufeinander treffen, würde ein Deutscher gegen einen potenziellen NBA-Zukunftsstar spielen – das wäre das perfekte Finale für Europas Nachwuchs-Hoffnung.
Die March Madness ist bekannt für Dramen. Diesmal steht ein 19-Jähriger aus München im Rampenlicht. Seine Message nach dem Spiel: „Wir sind noch nicht fertig.“ Für deutsche Fans klingt das wie eine Kampfansage – und wie Musik in den Ohren.
