Kessler zieht durchbrochene trainerschelle nach dem 3:3-drama

100. Rhein-Derby, 100-prozentige Aufregung – und am Ende eine Meisterleistung im Zaudern. Thomas Kessler, Geschäftsführer Sport des 1. FC Köln, ließ nach dem 3:3 gegen Borussia Mönchengladbach offen, ob Trainer Lukas Kwasniok in der Kurve bleibt. Statt klarer Rückendeckung klang seine Analyse wie ein Torschuss voller Fragezeichen.

Kölner blitzstart, dann blackout

Die Zahlen sprechen Bände: Nach 23 Minuten führte der FC 2:0, lag zur Pause trotzdem 2:3 zurück. „Wenn du so schlecht rein kommst, ist es schön, dass die Mannschaft ein Zeichen setzt. Aber wir müssen uns vorwerfen lassen, das 2:1 nicht bis zur Pause zu halten“, sagte Kessler bei Sky. Das Team habe Charakter gezeigt, doch Charakter allein reicht nicht, wenn die Abwehr derart offen steht wie ein Biergarten im Mai.

Eric Martel rettete mit seinem späten Treffer zumindest einen Punkt. Den Kölnern reicht das aber nicht mehr, um die rote Laterne abzuschütteln: seit sieben Partien kein Sieg, Platz 15, nur zwei Punkte Vorsprung auf Relegation. Die Negativserie nagt am Selbstvertrauen – und offenbar auch am Vertrauen in den Coach.

Kwasniok bleibt auf dem präsentierteller

Kwasniok bleibt auf dem präsentierteller

„Wir machen uns unsere Gedanken“, sagte Kessler, als hätte er bereits ein Blatt Papier mit Pro- und Kontra-Listen in der Tasche. Die Aussage klingt wie ein Satz, der in den Raum fällt und dort liegen bleibt, bis jemand ihn aufhebt – oder zur Seite schiebt. Dass kein FC-Verantwortlicher an der Qualität des Kaders zweifelt, macht die Lage nicht besser, sondern brisanter. Wenn die Spieler gut genug sind, liegt die Schuld für die Talfahrt automatisch bei der Führung – und damit auch bei Kwasniok.

Kessler selbst will „sachlich und rational“ analysieren, bevor er sich auf eine Entscheidung stürzt. Das klingt nach Zeitgewinn, aber keine Zeit ist mehr zu gewinnen. Am kommenden Wochenende gastiert der FC in Heidenheim, dann folgt Darmstadt. Beides keine Garanten für Punkte, beides Spiele, die über Arbeit oder Arbeitslosigkeit entscheiden könnten.

Die Fans sangen nach dem Schlusspfiff trotz allem „FC! FC!“ – doch zwischen den Zeilen wurde bereits ein anderer Refrain laut: „Wann wird der Trainer geopfert?“ Kessler hat die Antwort noch nicht parat. Aber je länger er wartet, desto lauter wird der Chor. Und eines ist klar: In Köln droht nicht nur der Winter, sondern auch der Abstieg.