Kehl raus – ricken bleibt: bvb sprengt führung nach hsv-sieg
Ein 3:2 gegen den HSV, noch strahlend in der Mixed Zone – 18 Stunden später ist Sebastian Kehl arbeitslos. Der BVB trennt sich mit sofortiger Wirkung von seinem Sportdirektor, wie der Klub am Sonntag um 12.07 Uhr knapp verkündet. Die Bombe zündet, obwohl am Vortag nichts auf eine Revolution hindeutete.
Kehl hatte noch von der „fantastischen Punkteausbeute“ geschwärmt, sich wie ein Schuljubel den Sieg gegönnt. Dann kam der Anruf. Geschäftsführer Carsten Cramer und Sport-Geschäftsführer Lars Ricken bestellten ihn ins Büro in Dortmund-Brackel. Nach 70 Minuten war klar: sofortiger Rausschmiss statt Sommer-Abschied. „Gemeinsame Überzeugung“, behauptet der Klub. Intern redet man von einer Machtprobe, die Kehl verloren hat.

Streit mit ricken war offener krieg
Hintergrund: ein Glaubenskrieg mit Ricken, der nie hinter dem Vorhang blieb. Als Watzke seinen langjährigen Weggefährten zum Sport-Geschäftsführer ernannte, kassierte Kehl die Abfuhr. Seitdem brodelte es – in Sitzungen, auf Reisen, in Transferfragen. Ricken soll intern Kehls Kompetenzen schrittweise gekürzt haben, zuletzt war der 46-Jährige kaum noch in wichtigen Vertragsgesprächen involviert. Die Trennung war nur eine Frage des Termins.
Jetzt steht der BVB ohne sportliche Leitung da. Ricken übernimmt interimistisch, doch die Frage ist: will er das permanente Amt? Intern gelten Matthias Sammer und Mislintat als heiße Kandidaten, beide mit eigenem Machtanspruch. Watzke muss entscheiden, ob er erneut einen Ex-Spieler krönt oder externen Frischwind riskiert.
Für Kehl endet eine Ära, die mit dem Double 2012 begann und mit einem 3:2 gegen Hamburg vor 24 Stunden still ausklang. Kein Abschiedsspiel, keine Ehrenrunde – nur eine knappe Pressemitteilung und das Versprechen, „sich neu zu erfinden“. Die Westfale-Truppe, die er jahrelang formte, läuft künftig ohne ihn auf. Die Saisonziele sind noch offen, die Machtfrage im Klub endgültig entschieden: Ricken 1, Kehl 0.
