Keans schienbein entzündet – fiorentinas sturm-frage bis zum schluss offen

Moise Kean schläft mit Eis. Seit Tagen schon, denn das Schienbein pocht, die Haut ist verfärbt, und jeder Schritt fühlt sich an, als würde sich das Knocheninnere gegen den Stiefel stemmen. Gegen Parma droht der 24-Jährige ausgerechnet jetzt auszufallen – mitten in der Phase, in der die Fiorentina ihre Saison wieder in die Spur bugsieren muss.

Die maske kommt, der stürmer bleibt fraglich

Trainer Raffaele Palladino plant den Rückschritt auf Viererkette, weil die Dreierkette zuletzt wie ein Regenschirm im Sturm wirkte: offen. Rechts rückt Dodô zurück, links kehrt Robin Gosens trotz Doppel-Fraktur im Gesicht mit Schutzmaske an die Seitenlinie. Doch selbst diese Marschrichtung nützt wenig, wenn vorne niemand die Kugel versenkt. Kean war diese Saison schon siebenmal erfolgreich, seine Bewegung zieht Abwehrreihen auseinander wie Reißzwecken. Ohne ihn bleibt nur M'Bala Nzola, der in der Europa League zuletzt wirkte, als hätte er seine Stiefel verkehrt herum angezogen.

Die Mediziner um Chefphysio Davide Lazzerini wollen heute Abend entscheiden. Kean absolvierte gestern nur Laufarbeit, keine Ballarbeit. Die Entzündung ist messbar, der Druckschmerz hart. „Wir geben keine Prozentzahlen mehr heraus“, sagte Lazzerini, „wir schauen, wie er morgen früh aufwacht.“ Das klingt nach 50:50 – und nach einem Poker, bei dem der Spieler selbst mitmischt. Kean will unbedingt, seine Stimme zitterte gestern vor Kameras: „Ohne Italien keine WM – und ohne mich kein Italien.“ Ein Satz, der mehr Druck macht als jedes Schmerzmittel.

Parma kommt mit notlösung und selbstvertrauen

Parma kommt mit notlösung und selbstvertrauen

Während in Florenz die Sturm-Lampe flackert, reist der FC Parma mit drei Siegen und einem Remis im Gepäck an. Doch hinten raubt der Notstand den Kalkül. Simone Iacoponi muss auf Valenti verzichten – Gelb-Rot-Block. Maxime Busi fällt mit Oberschenkelproblemen aus, Yordan Osorio laboriert an der Sprunggelenks-Bandscheibe. Trainer Fabio Pecchia überlegt laut, ob er auf eine Viererkette umschaltet. Kapitän Enrico Delprato rückt dann nach außen, der 20-jährige Lautaro Valeri links, dazwischen Circati und der australische Rookie Alessandro Vogliacco. Eine Abwehr, die zusammen gerade mal 54 Serie-A-Spiele aufweist – gegen Nicolas González und Co.

Die Zahlen sprechen dennoch für Parma: In den letzten fünf Auswärtsspielen kassierte die Gialloblù nur zwei Gegentore. Torwart Zion Suzuki wirkt wie ein aufgezogener Springmesser, seine Reflexe sind inzwischen Legende in der Tardini-Kurve. Und dann ist da noch der kleine, wendige Angelelli, 1,65 Meter groß, dafür mit 180 Taktik-Graden im Kopf. Er eröffnet Räume, die eigentlich gar keine sind.

Die Temperatur steigt, die Tickets sind restlos weg. Florenz erwartet 38 Grad Celsius auf dem Rasen, gemessen an der Hitze der letzten Wochen. Die Curva Fiesole probt schon die Choreografie: „Risorgiamo“ – wir erheben uns. Doch der Aufstand braucht einen Anführer. Ob Kean morgen früh mit dem Bus ins Franchi fährt, entscheidet sich in der Nacht. Seine Stimme ist noch heiser vom Schreien nach dem Udine-Debakel. Der Körper schreit jetzt zurück.

Parma hat nichts zu verlieren, Florenz alles. Die Saison ist jung, aber die Knochen sind alt. Und irgendwo zwischen Schmerz und Ehrgeiz entscheidet sich, ob die Violas wieder nach oben blicken – oder weiter im Mittelmaß versinken.