Kean humpelt, florence fliegt trotzdem – ohne sturm, ohne plan b
Moise Kean bleibt in der Gewächshaus-Klinik, Manor Solomon zählt seit 42 Tagen keine Tore mehr, und trotzdem muss die Fiorentina heute Abend in London antreten. Gegen Crystal Palace fehlen dem Coach nicht nur zwei potenzielle Startelfkräfte, sondern auch jede Hoffnung auf ein Wunder im Viertelfinale der Conference League.
Kean trainierte am Vormittag separat, die geschwollene Tibia pocht wie eine Warntafel. Sein Blick gilt bereits Montag, dem Spitzenspiel gegen Lazio. Dort will Italienis Youngster unbedingt auflaufen – ob mit oder ohne Schmerzmittelcocktail. Denn wer in Florenz den Saisonendspurt verpasst, fliegt auch bei der Neuausrichtung des Kaders im Sommer hinten runter.
Verletzungsliste länger als der arno
Fabiano Parisi, frisch gegen Inter gefoult, sitzt ebenfalls in der Reha. Niccolò Fortini laboriert seit Wochen an einer Sprunggelenk-Prellung, die kein MRT so richtig greift. Dazu Brescianini und Rugani, beide außerhalb der UEFA-Liste verbannt – ein administratives Aus, das Vincenzo Italiano mit dem Zahnknirschen quittierte. Die gute Nachricht: Dodô und Mandragora kehren zurück. Die schlechte: Sie können weder Tore schießen noch den Gegner aufhalten.
Die Bilanz seit Solomons letztem Einsatz am 26. Februar: fünf Pflichtspiele, drei Siege, zwei Niederlagen, Null Tore aus offensiven Bällen. Die Statistik riecht nach Notstand. Und die London-Reise kommt zur Unzeit.

Kean, der mann fürs große tor, darf nicht mal ein taxi zum flughafen nehmen
Stattdessen bleibt er in der Fiorentina-Fitness-Halle, wo Therapeuten um seine Wade tanzen. Das Medizin-Team spricht von „Grad-1,5-Belastung“ – ein Begriff, den es offiziell gar nicht gibt, aber jeder versteht: zu riskant für 90 Minuten, zu wertvoll für die Ersatzbank. Das Lazio-Spiel ist in zwölf Tagen, die Meisterschaftssechs entscheidet über Conference-League-Startplatz oder Sommermond. Kean weiß: Er muss spielen, sonst kassiert Florenz statt Europa nur die Trost-WM der Freundschaftsspiele.
Italiano hat keine Zeit mehr zu jammern. Er schickt ein Notprogramm nach England: Ikone Nico González als falsche Neun, Beltran als hängende Spitze, Sottil auf der Rechtsaußen-Schneise. Die Taktik heißt „Überleben und Konter“, die Devise „0-0 ist ein Sieg“. Für die Fans klingt das nach Beten, nicht nach Fußball.
Am Montag droht die nächste Demontage. Fagioli und Gudmundsson fehlen gesperrt, Kean wankt auf Schusters Rappen, Solomon schaut von der Tribüne. Lazio hat inzwischen Ciro Immobile wieder fit und Maurizio Sarri, der Fiorentina das Leben schon oft zur Hölle gemacht hat. Die Buchmacher sehen die Viola außerhalb der Top-7 – ein Horrorszenario für ein Budget, das sich auf europäische Prämien verlassen hat.
Florenz fliegt heute ohne Sturm, aber mit viel Wut. Ob das reicht, um London zu überstehen und anschließend Rom zu stürzen, wird sich zeigen. Eines steht fest: Wer bis Montag nicht läuft, läuft Gefahr, in der Sommerplanung keinen Schritt mehr mitzukommen.
