Katic schwitzt trotz tempo-frage: schalke zittert vor hannover um dzeko

Die Führungsspieler von Schalke 04 lachen im Regen, aber hinter den Lachfalten steckt ein 39-jähriger Körper mit verärgerten Rückenwirbeln. Nikola Katic, bislang unverzichtbar, muss vor dem Topspiel gegen Hannover 96 die Kritik an seiner Geschwindigkeit abblocken – und das, während Edin Dzeko plötzlich nur noch im Leistungszentrum joggt.

Katic nimmt tempo-debatte auf die leichte schiene

„Wenn man schnell denkt, kann man auch mal ein bisschen langsamer sein“, sagt Youri Mulder und zieht die Schultern hoch, als hätte er gerade ein Kreuzberger Bier bestellt statt eine taktische Schwäche erklärt. Der Sportdirektor meint Katic, den bosnischen Abwehrchef, der gegen Bielefeld wegen fünfter Gelber zuschauen musste und sich dabei „gar nicht wohl“ fühlte. Jetzt steht er wieder in der Mitte, wo die Gegner regelmäßig aufschlagen wie Wellen gegen eine Felsküste.

2069 Spielminuten hat er bereits gesammelt, nur Soufiane El-Faouzi mehr. Die Tempo-Frage? Längst intern verhandelt. Katic lacht trocken: „Jeder mit Tastatur wird zum Trainer.“ Was zählt, sei das Vertrauen von Miron Muslic und der Kurve. Letzteres schmettert seit Wochen „Raus aus dem Zoo, wir wollen nach Hannover“, und genau dorthin geht’s am Sonntag, 13.30 Uhr, mit dem Druck, die Tabellenspitze gegen den direkten Konkurrenten zu verteidigen.

Dzekos rücken – das eigentliche problem

Dzekos rücken – das eigentliche problem

Im Gleichschritt fehlt plötzlich Edin Dzeko. Kein Scherz: Der Torschützenkönig von 40 Jahren (am Donnerstag wird’s offiziell) spult am Mittwoch nur Laufrunden im Leistungszentrum ab. Die 88. Minute gegen Bielefeld, in der er das 1:0 erzielte, kostet ihn nun womöglich das Spiel in Hannover. Zahlen reden gegen Mulders Entwarnung: Fünf Tore, vier Vorlagen – ohne Dzeko wäre Schalke laut xTable eher auf Rang fünf als auf Platz eins.

Die Ablösung ist nicht vorgesehen. Kevin Müller hielt zuletzt stabil, doch Loris Karius ist wieder fit und wird am Sonntag zurückkehren. „Unser Stammtorwart“, so Mulder, ohne Umwege. Vor ihm Katic, der „Boss“ in der Abwehr, der Ayhan stützt statt zu fürchten. „Mertcan hat’s klasse gemacht, ich helfe ihm weiter“, sagt Katic und klingt dabei wie ein Senior, der dem Nachwuchs den Weg zum Klub-Auto freimacht.

Die Nerven liegen blank, aber unter der Regenhaut glänzt Selbstbewusstsein. Muslic’ Mannschaft trainiert mit lautstarken Kleinfeldspielen, die wie Flashmobs durch die Reihen ziehen. Hannover und danach Darmstadt – zwei Finals innerhalb von sieben Tagen. Katic beendet die Befragung mit einem Satz, der wie ein Schlusspfiff klingt: „Wir haben die besten Einzelspieler und den besten Trainer der Liga – alles andere ist Nebensache.“ Bleibt nur die Frage, ob Dzeko am Sonntag dazuzählt. Die Antwort bekommt Schalke am späten Samstagabend – und wenn der Rücken nicht mitspielt, fällt die Entscheidung im Sturm, nicht in der Abwehr.