Kassel schlägt zurück: drama in weißwasser versetzt huskies in halbfinal-rausch
28 Sekunden vor Ende zog Kassel-Torhüter Maximillian Franzreb die Reißleine, warf sich in die Schussbahn und blockierte den letzten Füchse-Versuch. Der Puck rollte zur Bande, die Uhr lief aus – und die Huskies standen im Halbfinale. Was in der Eishalle von Weißwesser wie ein Krimi endete, war für die Nordhessen nur der erste Akt eines Playoff-Marathons, der am Donnerstag (19.30 Uhr) in der Eissporthalle Kassel weitergeht.
Die serie, die kassel schweißte
5 von 6 Spielen entschieden sich um einen Treffer – eine Belastung, die Coach Todd Woodcroft lieber sofort nimmt. „Weißwasser hat uns alle Sorgen abverlangt, das ist das Beste, was uns passieren konnte“, sagte der Kanadier nach dem 3:2 im Sechsten. Seine Spieler hatten 60 Minuten lang ein 1-3-1-System gegen den aufgerückten Außenseiter gespielt, zwischendurch sogar mit zwei Verteidigern vor dem eigenen Gehäuse. Die Taktik ging auf, weil Kassel die Scheibe schneller aus der Zone trug als alle Erwartungen.
Die Statistik spricht Bände: 102 Schüsse musste Franzreb in den letzten drei Partien abwehren, nur vier gingen rein. Die Powerplay-Quote der Huskies stieg von 12 auf 19 Prozent – ein Wert, der in der DEL2 Seltenheitscharakter hat. Dass gerade die dritte Reihe um Mike Hunte und Nico Krämmer die entscheidenden Tore erzielte, stimmt Woodcroft zufrieden: „Wenn die Breite funktioniert, wird es schwer, uns zu schlagen.“

Nebengeräusche, die abprallen
Abseits des Eises tobte ein Kleinkrieg. Ein mutmaßlicher Kopf-ab-Gestus des Trainers, nachtliches Feuerwerk vor dem Teamhotel, anonyme Drohungen gegen Spieler – die Lausitzer Füchse schienen alles zu probieren. Kassel reagierte mit Störschutzfolie an den Hotelfenstern und einem Medienblackout nach Spielende. Woodcroft selbst feixte nur: „Je lauter die Trommeln, desto besser hören wir uns selbst.“
Die Psychologieleistung zahlt sich aus. Die Huskies gewannen alle drei Auswärtsspiele, obwohl sie in Weißwasser nie zuerst trafen. Die Fox-Tricks – so nennen interne Analysten die Füchse – halfen nicht. Kassel blieb das kältere Team.

Donnerstag ist der gegner noch luft
Am Dienstag (19.30 Uhr) entscheidet sich in Bietigheim, ob die Steelers oder die Ravensburg Towerstars nach Nordhessen reisen. Fünf der sechs Spiele ihrer Viertelfinal-Serie gingen in die Verlängerung – ein Kraftakt, der Kassel zusätzliche Erholungszeit beschert. „Wir schauen das Spiel gemeinsam im Bus und bereiten uns auf beide Varianten vor“, verrät Assistenzcoach Stefan Schauer. In der Hauptrunde holte Kassel gegen beiele Clubs je zwei Siege, wobei die Towerstars die bessere Tordifferenz aufweisen.
Die Einschätzung der Wettanbieter ist eindeutig: Kassel steht bei 2,10, Ravensburg bei 3,40, Bietigheim bei 3,75. Die Huskies gelten als Titelfavorit – eine Rolle, die Woodcroft genießt: „Wir wollen das Finale, alles andere wäre ein Fehlstart.“
Die uhr tickt schon
Bis zum ersten Finale sind es maximal neun Spiele. Die Huskies haben seit dem 6. März jeden dritten Tag gespielt, ein Pensum, das sich auf 22 Körper verteilt. Fitnesscoach Dr. Lars Meister mischt Spezial-Shakes mit BCCA und lässt die Spieler nach jedem Drittel 15 Sekunden Eistanzen – ein Trick, der die Herzfrequenz schneller senkt als herkömmliche Pausen. Die Ergebnisse: keine Verletzten, keine Überlastungsmuskeln.„Unser Recovery-Score liegt bei 94 Prozent“, prahlt Meister.
Die Fans sind längst in Alarmbereitschaft. Die Blocks 1 bis 8 in der Eissporthalle sind ausverkauft, auf dem Schwarzen Markt kosten Stehplatzbänder 120 Euro. Die Stadt Kassel erlaubt eine Zusatztribüne für 800 Leute – Stand jetzt ist auch die restlos vergeben. Die Huskies selbst spielen in neuen Blau-Metallic-Helmen, die bei jedem Check wie Gongschläge klingen. Ein Sound, den die Gegner am Donnerstag erstmals hören werden – und der ihnen vermutlich bis zum Finale begleitet.
