Kassel huskies zerren sich in verlängerung ins finale – jetzt warten die krefeld-pinguine

Tristan Keck schießt die Huskies um 22.14 Uhr in Bietigheim in einen Traum. 4:3 nach Verlängerung, Serie 4:2, und plötzlich steht Kassel im DEL2-Finale. Die Kabine kocht. Die Arena tobt. Die Saison lebt.

Krefeld ruht, kassel blutet

Während die Pinguine seit Tagen Tee trinken und Regensburg mit einem Sweep nach Hause schickten, mühten sich die Nordhessen durch einen Krimi, der drei Mal in die Overtime rutschte und ein Mal in der letzten Sekunde kippte. „Wir haben keine Energie mehr, aber wir haben sie“, brüllt Laurin Braun ins Mikro, das Trikot klebt am Rücken, die Stimme ist ein Krächzen. Die Causa ist klar: Krefeld hatte vier Tage Pause, Kassel vier Herzinfarkte.

Die Zahlen sind gnadenlos. Krefeld ging als Hauptrunden-Macht durch die Saison, 52 Spiele, 106 Punkte, Torverhältnis 201:115. Kassel folgte mit 98 Zählern, aber das sind acht Punkte, die sich anfühlen wie ein Abgrund. Die Pinguine sind frisch, tief, gelangweilt von Erfolg. Die Huskies sind müde, dreimal über 60 Minuten gelaufen – und dennoch hungrig.

Freitag um 19.30 uhr beginnt die jagd

Freitag um 19.30 uhr beginnt die jagd

Best-of-seven, erstes Spiel in der Königpalast-Arena, wo Krefeld in dieser Saison nur dreimal verlor. Kassel muss auswärts beginnen, das ist kein Nachteil, das ist eine Chance. „Wir haben nichts zu verlieren“, sagt Coach Bill Stewart, der seine Stimme wiederfindet. „Die Jungs glauben daran, dass wir den Favoriten ärgern können.“ Die Bank ist kurz, dafür ist der Glaube lang.

Die Schlittenhunde haben sich in dieser Serie selbst neu erfunden. Erst rettete Goalie Kevin Reich das Spiel mit einem Penalty-Killer, dann schoss Keck den Puck durch den Fünfmeterwinkel, und plötzlich steht das Team im Licht, das es seit 2010 nicht mehr gesehen hat. Der Aufstieg in die DEL ist kein Wunsch mehr, er ist eine Option.

Die Uhr tickt. Die Beine brennen. Aber die Augen glühen. Kassel reist nach Krefeld, um Geschichte zu schreiben – oder zumindest die nächste Verlängerung zu erzwingen. Die Huskies haben nichts mehr, außer dem, was zählt: den vierten Sieg. Und den holen sie sich, bevor die Pinguine überhaupt merken, dass das Finale begonnen hat.