Kansei matsuzawa jagt den nfl-traum – und schreibt japanische sportgeschichte
Ein japanischer Kicker im NFL-Draft? Das klingt wie ein Hollywood-Script, ist aber Realität. Am 27. April könnte Kansei Matsuzawa als erster Japaner überhaupt einen Profi-Vertrag in der besten Football-Liga der Welt unterschreiben. Sein Weg dorthin liest sich wie eine Mischung aus Selbstversuch, Nachttraining auf verlassenen Plätzen und einem Selbstvertrauen, das keine Statistik kannte.
Von tokio nach oakland – und nie mehr zurück
2018 landete der damals 19-jährige Matsuzawa zum ersten Mal in den USA. Kein Football-Hintergrund, keine Ahnung von Down und Distance. Aber das Oakland Coliseum riss ihn mit einem Mal in eine neue Welt. „Ich wusste sofort: Ich will NFL-Spieler werden“, sagt er heute. Die Position? Nicht Quarterback. Nicht Receiver. Der Kicker. Ein Job, der in Japan so exotisch ist wie Sushi in Alabama.
Zurück in Tokio wurde aus dem Urlaubs-Fandom ein Trainingswahn. Englisch lernte er sich selbst, Filme analysierte er auf YouTube, und nach seiner Spätschicht im Steakhaus ging’s auf den leeren Rasen – mit zwei Footballs, die er aus den USA mitgeschleppt hatte. „Ich war schlecht. Wirklich schlecht“, lacht er. „Aber ich war auch stur.“

50 Colleges, 49 nein – und ein ja aus ohio
Sein Weg führte über ein Junior College in Ohio, wo er zunächst nur mittrainieren durfte. Dann entdeckte Thomas Sheffield, Special-Teams-Coach der Hawaii Rainbow Warriors, das Talent. „Ich hab mich sofort in diesen Jungen verliebt“, sagt Sheffield. „Nicht wegen seiner Statline, sondern wegen seiner Story.“ In Hawaii wurde Matsuzawa zur „Tokyo Toe“ – und prompt zur Top-Waffe. 27 von 29 Field Goals verwandelte er in seiner letzten Saison. Combine-Invite, IPP-Platz, Draft-Gespräche – alles real.
Jetzt sitzt der 27-Jährige in Hotel-Lobbys, spricht mit Scouts und hört, was er nie erwartet hätte: Sein Name steht auf Listen. Nicht nur als PR-Gag, sondern als möglicher Starter. Auch wenn kein Team im siebten Round zugreift, wartet als Free Agent bereits der nächste Anruf.
Die Moral von der Geschichte? Manchmal reicht ein einziges Spiel im Coliseum, um ein Leben umzukrempeln. Und manchmal reicht ein einzelner Kick, um ein ganzes Land hinter sich zu vereinen. Matsuzawa sagt: „Ich bin bereit. Ich war es mein ganzes Leben lang.“
