Kabel statt schal: cottbus-fans lassen sich während des spiels auf herzrhythmus untersuchen
Nicole Kossatz und Norina Schier gehen nicht einfach nur auf die Tribüne. Sie tragen ein 24-Stunden-EKG, das jeden Jubel, jede Unruhe und jeden Frust mitschreibt.
Das Fußballspiel Energie Cottbus gegen SSV Ulm wird zum Labor. Die Medizinische Universität Lausitz – Carl Thiem misst, wie Herz und Blutdruck auf Tore, Entscheidungen und Niederlagen reagieren. Die Daten sollen helfen, Herzrhythmusstörungen früher zu erkennen.
Die messung läuft auch nachts weiter
Die Probanden sind keine Profis, sondern Faninnen über 40. Sie bekommen kein Geld, aber Zugang zu einer App, die sie zu einem gesünderen Lebenstil motiviert. Die Wissenschaftler wollen wissen: Was bleibt nach dem Abpfiff im Körper hängen?
Dirk Große Meininghaus, Studienleiter, erklärt: „Das Herz arbeitet auch nach dem Spiel mit erhöhter Frequenz. Wir beobachten, ob diese Belastung Auslöser für Vorhofflimmern oder andere Arrhythmien sein kann.“
Die Schwester aus Cottbus lacht während der Halbzeit: „Ich dachte, ich wäre ruhig. Dann zeigt das Gerät: Blutdruck hoch, Herz klopft.“ Die Stadionpommes war nur eine kleine Verschnaufpause.

Nächste runde gegen 1860 münchen
Die Uni will weitere Fans verkabeln, wenn 1860 München und Rot-Weiß Essen in Cottbus gastieren. Die Ergebnisse fließen in ein bundesweites Präventionsprogramm ein. Wer mitmacht, riskiert nicht nur einen Nervenzusammenbruch beim Rückstand, sondern liefert Daten, die Leben retten können.
Für Nicole und Norina bleibt der Sieg auf dem Platz zweitrangig. Ihre Herzen haben schon gewonnen – weil sie überlebt haben.