Juventus fliegt um die welt: spalletti lässt inter im outback duellieren

Nach zwei Sommern im Adidas-Quartier Herzogenaurach packt die Juventus wieder den Koffer – und fliegt derzeit so weit weg wie nie. Zum ersten Mal seit dem Allegri-Sommer 2016 landet die Vecchia Signora in Hongkong und Perth, um dort drei Testspiele zu bestreiten. Einer der Gegner steht laut Insidern längst fest: der FC Inter. Ein italienisches Derby mitten im australischen Winter.

Warum australien und hongkong gerade jetzt?

Die Antwort liegt nicht nur in der Marketing-Kasse. Die Klubbosse wollen dem Team von Luciano Spalletti eine Präsenz verpassen, die über Europa hinausstrahlt – und dabei an alte Erfolge anknüpfen. 2016 kehrte Juve mit zwei Siegen und einem Remis aus Down Under zurück, startete dann in die Serie-A-Saison und holte am Ende den Titel. Die Statistik spricht eine klare Sprache: Wer in Perth gewinnt, gewinnt zuhause.

Der Plan ist kompakt. Ein Spiel in Hongkong, zwei weitere in Perth – exakt 16.000 Kilometer von Turin entfernt. Die australischen Partien sollen innerhalb von fünf Tagen stattfinden, damit sich die Spieler nicht nur an neue Zeitzonen, sondern auch an die Temperaturen um 12 Grad Celsius gewöhnen. Für einen Kurzurlaub ist das kein schlechtes Training.

Inter als gegner – ein clou mit risiko

Inter als gegner – ein clou mit risiko

Der Name Inter sorgt für zusätzlichen Stoff. Beide Vereine haben ihre Asia-Fans seit Jahren gepflegt, doch ein offizielles Derby auf neutralem Boden gab es selten. Die letzte Begegnung außerhalb Italiens datiert auf 2019, als beide Teams in China aufeinandertrafen. Nun also Perth – 20.000 erwartete Zuschauer im Optus Stadium, Karten ab 89 Australischen Dollar. Die Nachfrage brach binnen 48 Stunden die Server der Ticketplattform.

Kenan Yildiz steht im Fokus. Der 20-Jährige absolvierte bereits im letzten Sommerlager in Herzogenaurach seine ersten Einheiten als Profi, nun soll er im asiatischen Dunstkreis den Sprung zur Stammelfe wagen. Spalletti hat ihm einen Startplatz in Perth zugesagt – sofern keine Blessur dazwischenkommt. Die Entscheidung fällt am 12. Juli, dem Tag des offiziellen Kader-Calls.

Der superstitions-faktor

Der superstitions-faktor

In den Büros der Continassa schwört man auf kleine Rituale. Die Rückkehr nach Australien ist kein Zufall. Sportdirezione und Analysten haben die Daten des ICC-Triumphes 2016 ausgewertet: drei Tore durch Dybala und Benatia, kein Gegentreffer aus dem Spiel heraus. Die Rechnung: Wer die Vergangenheit kopiert, kopiert auch den Erfolg. Ob das in der Ära Spalletti genauso funktioniert, wird sich zeigen.

Der Countdown läuft. Am 18. Juli startet die Chartermaschine von Turin nach Hongkong, am 22. geht es weiter Richtung Perth. Fans diskutieren bereits auf Twitter über mögliche Aufstellungen, chinesische TikTok-Stars buchen Tickets, um Yildiz’ Skills live zu filmen. Die Juve lässt sich nicht mehr in deutschen Trainingslagers festnageln – sie will globale Marke bleiben, auch wenn der Preis dafür 30 Flugstunden und ein halbes Dutzend Zeitzonenwechsel sind.

Für Spalletti ist die Reise ein Test in Sachen Kaderrotation. Er moche seine Startformation bereits nach Minuten, nicht nach Tagen planen. Wer in Perth 90 Minuten durchspielt, erhält in der ersten Serie-A-Partie eher eine Pause. Die Botschaft ist klar: Kein Platz für Sentimentalitäten, nur für Leistung. Und die beginnt am anderen Ende der Welt.