Juve zieht boga-zeitbombe: david versinkt im nebel

Kein Treffer seit sieben Spielen, keine Spur von Selbstvertrauen – und dann diese kalte Dusche in der Kabine. Jonathan David durfte gegen Pisa in der Pause direkt unter die Dusche, während Jérémie Boga den Platz betrat und die Partie binnen 45 Minuten drehte. Die Bilanz: ein Tor, zwei Assists, unzählige Dribblings, die die Gästeabwehr wie ein altes Fahrrad aussehen ließen.

Spallettis reset funktioniert sofort

Der Coach hatte vor dem Spiel betont, er wolle „einen echten Neuner“, doch mit Vlahovic noch in der Reha bastelte er kurzerhand Yildiz zur falschen Neun um und schob Boga ins Zentrum. Die Folge: Pisa stand fortan auf weichen Knien, Cuadrado wurde zum Slalomtor, und David? Saß trocken, die Decke über dem Kopf. Die Kamera fing ihn ein, wie er mit gesenktem Blick die Stufen zur Umkleide stieg – ein Bild, das in Turin die Runde macht.

Die Zahlen sind gnadenlos: Seit dem 1. Februar traf der Kanadier nicht mehr, seine xG-Summe in dieser Phase liegt bei 2,8 – ein Trefferhänger, der sich selbst frisst. Spalletti sprach nach dem Spiel von „räumlichen Prigeln“, in denen David „erlischt, wenn man ihm keine unterschnittenen Bälle liefert“. Der Satz klingt wie ein Indiz: Der Stürmer bekommt den Stempel „Systemspielertyp“ aufgedrückt, der nur funktioniert, wenn alles um ihn herum perfekt läuft.

Boga kostet 1,2 mio leihe, david 50 mio ablöse – wertfrage offen

Boga kostet 1,2 mio leihe, david 50 mio ablöse – wertfrage offen

Die Bosse müssen rechnen: Boga war ein Schnäppchen, eingekauft für den Krisenfall, und schon jetzt der Matchwinner. David war die teure Zukunftsinvestition, doch sein Marktwert schrumpft mit jedem verschossenen Ball. Die Kurve in den Scouting-Tabellen zeigt nach Süden, und die ersten Berater kreisen bereits. Laut Sky Italia prüft die Klubführung, ob man den 24-Jährigen im Sommer für 35 Millionen plus Boni an die Premier League verhökert – ein Schnitt, der weh tun würde.

Intern ist man sich uneins. Ein Teil der Data-Abteilung widerspricht vehement: David lauert in Ballbesitzphasen an der richtigen Stelle, seine Sprintgeschwindigkeit ist nach wie vor Elite. Doch das hilft nichts, wenn das Netz nicht zittert. Und so steht die Frage im Raum: Behält man einen Spieler, der viel verspricht, aber selten liefert, oder setzt man auf Boga, der sofort liefert, aber kein klassischer Neuner ist?

Mit Vlahovic steht nächste Woche in Udine der Zuschauerliebling wieder zur Verfügung. Spalletti könnte erstmals in der Saison auf zwei Spitzen setzen – David als zweite Lanze, Boga als Turbo von der Bank. Oder er dreht weiter an der Schraube und stellt David vor die Wahl: Liefern oder landen auf der Transferliste. In Turin spricht man bereits vom „Boga-Effekt“, einem Begriff, der sich wie ein Lauffeuer durch die Umkleide zieht. Die Botschaft ist klar: Wer trifft, spielt. Wer trägt, bleibt.

Die Uhr tickt. In zwölf Tagen folgt das Spiel in Neapel, wo die Meisterschaft entschieden werden kann. David hat noch zwei Trainingseinheiten, um Spalletti zu überzeugen. Die Alternative: Platz neben den Koffer und ein Sommer voller Gerüchte. Die Fans jedenfalls haben schon ihren Favoriten. Im Curva-Sud-Forum steht seit gestern ein einziger Satz gepinnt: „Boga bringt Feuer – David nur Rauch.“