Jupp kompalla wird 90: der schiri, der ohne helm geschichte schrieb

2000 Spiele, drei Olympia, ein Walross-Schnauzer – und kein Helm. Als Josef „Jupp“ Kompalla am Freitag 90 wird, erinnert sich die Eishockey-Welt an den einzigen deutschen Schiedsrichter, der es zur Fernseh-Persönlichkeit schaffte.

Wie ein oberschlesier deutsche eishockey-kultur prägte

Wie ein oberschlesier deutsche eishockey-kultur prägte

1958 zog der Kattowitzer mit 22 Jahren nach Krefeld – und pfiff sich binnen weniger Jahre in die Nationalelf der Pfeifen. Die Zahl 2019 steht für die Spiele, die der Deutsche Eishockey-Bund ihm offiziell bescheinigt; sie ist gleichzeitig sein Geburtstagscode. 48 Länder, 15 WM-Teilnahmen, Olympia 1976, 1980, 1984 – Statistiker müssen bei Kompalla nie lange blättern.

Den globalen Durchbruch lieferte ihm die Summit Series 1972. Kanadas NHL-Stars hatten den „inkompetenten“ Deutschen zunächst abgelehnt – doch als die Serie zwischen Kanada und der sowjetischen „Roten Maschine“ plötzlich dramatisch stand, kriegte Kompalla doch noch den Zuschlag für das entscheidende Spiel in Moskau. Die Sowjets liebten ihn; er sprach fließend Russisch, was ihm bei Iswestija-Cups zusätzliche Einladungen einbrachte. In Deutschland sahen ihn Millionen am Sonntagabend in der Sportschau – Haar im Wind, Schnurrbart im Eisnebel.

Die Karriere begann eigentlich als Lückenfüller. Ein Platz im Schiedsrichterlehrgang blieb leer, ein Kumpel nötigte ihn mit, „sich breitschlagen zu lassen“. Aus dem Notruf wurde ein Lebensentwurf. 1992 legte Kompalla die Pfeife weg, blieb der Sportart aber als Schiedsrichterbeauftragter erhalten – bis 2003.

Die Familie nahm den Faden auf: Tochter Nicole wurde die erste Frau im deutschen Männer-Bereich mit der Internationalen Schiedsrichterlizenz. 2010 führte der Senior vor 78 000 Fans in der Schalke-Arena ein Oldtimer-Spiel zur WM-Eröffnung – ein letztes Mal Pfeife statt Geburtstagslied.

Heute sitzt Jupp Kompalla, 90 Jahre alt, hin und wieder noch in der Krefelder „KönigPalast“-Tribüne. Dann blicken junge Schiris zu ihm rüber, prüfen ihren Helm – und merken, dass die größte deutsche Schiri-Legende ohne jede Kopfbedeckung Geschichte schrieb.