Junge eishockeyspieler in der national league: wer setzt wirklich auf die talente?
Die Diskussionen um den Einsatz junger Spieler in der National League brodeln erneut. Eine Analyse der letzten fünf Spielzeiten zeigt deutliche Unterschiede zwischen den Teams – und wirft Fragen auf, ob die Förderung der eigenen Nachwuchstalente ausreichend Priorität hat. Pascal Müller von freshfocus hat die Daten ausgewertet, und die Ergebnisse sind überraschend.
Die schlusslichter: lugano und rapperswil-jona
Am Ende der Skala steht der HC Lugano. Die Bianconeri haben ihren U-20-Spielern in den vergangenen fünf Jahren kaum Eiszeit gewährt. Einzig Cyrill Henry, der 18-Jährige, kam in dieser Saison auf 18 Einsätze. Doch das reicht bei Weitem nicht aus, um von einer wirklichen Förderung zu sprechen. Das dürfte auch mit dem Farmteam Bellinzona Snakes zusammenhängen, wo junge Spieler bereits früh Spielpraxis sammeln können.
Auch der SC Rapperswil-Jona Lakers hinkt hinterher. Die St.Galler setzen zwar auch auf ältere Spieler, die noch weiterentwickelt werden müssen, aber die jüngsten Talente kommen kaum zum Zug. Mit Andrin Flütsch gab es in dieser Saison zumindest einen Hoffnungsträger, der regelmäßig Eiszeit erhielt. Die durchschnittliche Eiszeit der U-20-Spieler der Lakers liegt bei mageren 26:03 Minuten pro Saison.

Das mittelfeld: ambri-piotta, ajoie und genf
Der HC Ajoie setzt seit dieser Saison keinen einzigen U-20-Spieler ein, nachdem man in den beiden vorherigen Jahren noch regelmäßiger auf junge Talente vertraute. Die fehlenden Nachwuchsteams auf Elitestufe schränken die Möglichkeiten ein. Der HC Ambri-Piotta profitiert noch von der starken Saison 2023/24, in der die relevanten Spieler insgesamt 830 Minuten Eiszeit erhielten. Nathan Borradori kam in dieser Saison zumindest zu einem Einsatz.
Genève-Servette HC gehört zu den Teams, bei denen U-20-Spieler in dieser Saison häufig zum Einsatz kommen. Allerdings wird das Ergebnis durch Simas Ignatavicius relativiert, der als einziger Spieler des Jahrgangs 2006 oder jünger regelmäßig Eiszeit erhielt. Ob das Riesentalent auch in der kommenden Saison für die Genfer aufläuft, ist fraglich – ein Sprung in die NHL könnte bevorstehen.

Die spitze: zug, biel und bern
Der EV Zug setzt weiterhin konsequent auf junge Spieler. Mit Gian Menzi und anderen Talenten aus dem eigenen Nachwuchs sorgen die Zuger für frischen Wind. Die durchschnittliche Eiszeit der U-20-Spieler liegt bei beeindruckenden 764:51 Minuten pro Saison. Der EHC Biel-Bienne investiert seit Jahren in den Nachwuchs und profitiert von Spielern wie Niklas Blessing, der fast 670 Minuten Eiszeit erhielt. Jonah Neuenschwander, der jüngste eingesetzte Spieler, könnte in Zukunft noch mehr Verantwortung übernehmen.
Auch der SC Bern bemüht sich um die Förderung junger Talente, obwohl die Spieler oft zu anderen NL-Teams wechseln. In dieser Saison gelang der Sprung aus den Juniorenteams in die erste Mannschaft nur bedingt. Die Frage ist, ob die Klubs die Talente ausreichend integrieren oder ob sie sie ziehen lassen, um kurzfristige sportliche Erfolge zu erzielen.
Die Daten zeigen deutlich: Während einige Teams auf junge Spieler setzen und ihnen die Chance geben, sich zu entwickeln, vernachlässigen andere die Förderung der eigenen Nachwuchstalente. Die langfristigen Auswirkungen auf die Qualität der National League sind nicht zu unterschätzen. Die Zukunft des Schweizer Eishockeys hängt davon ab, ob die Klubs bereit sind, in die Jugend zu investieren und ihr Vertrauen in die jungen Spieler zu setzen.
