Julia simon erzählt: wie ein kreditkarten-skandal sie zur triple-olympiasiegerin machte

Der Schwindel kostete sie drei Monate auf Bewährung, verpasste Rennen und jede Mende Schlagzeilen. Dann fuhr Julia Simon nach Mailand-Cortina und schoss drei Mal Gold – als hätte die Kreditkartenaffäre sie angezündet statt abgewürgt.

„Ich wollte nur noch ski fahren, nicht denken“

Im Interview mit dem französischen Magazin Society bricht die 29-Jährige ihr Schweigen. Die Vorwürfe tauchten 2022 auf, im Sommer 2023 erstattete Justine Braisaz-Bouchet Anzeige – weil Simon deren Kartendaten abgezapft und damit shoppen gegangen war. Bis heute kein Wort der Entschuldigung, aber ein Geständnis: Die Schlammschlacht habe sie „zurück auf den Kern“ gedrängt. Familie, enge Freunde, Biathlon. Mehr nicht.

Die Folge war ein Saison-Start mit Verspätung, dafür ein Finish der Extraklasse: kleine Kristallkugel im Massenstart, drei olympische Golds, zehn Weltcupsiege in Serie. „Die Leute konnten über mich herziehen – es rührte mich nicht“, sagt sie. „Ich kenne meinen Preis.“

Ein skandal als katalysator

Ein skandal als katalysator

Laut Simon war das Urteil der Auslöser für eine radikale Neujustierung. Training ohne Ablenkung, mentales Coaching, konsequentes Medien-Fasting. Die Zahlen sprechen für sich: Vor 2023 lag ihre Trefferquote im Schießen bei 78 %, danach bei 87 %. Ihre Zeit auf der 10-km-Strecke verbesserte sich um zwölf Sekunden – ein Ewigkeitswert im Weltcup.

Die Französische Skiföderation zog Konsequenzen: interne Strafen, Sponsoring-Streichungen, aber keine Sperre. Offiziell wegen „mangelnder Beweise für sportliche Vorteile“, inoffiziell wollte man die erfolgsverwöhnte Athletin nicht verlieren. Der Deal zahlt sich aus: Simon ist mittlerweile Markenbotschafterin eines französischen Outdoor-Herstellers – Vertrag bis 2028, acht Millionen Euro, laut Branchenkreisen mit Bonusklausel für jeden Weltcupsieg.

Die teamkollegin schweigt – der verband profitiert

Die teamkollegin schweigt – der verband profitiert

Justine Braisaz-Bouchet, selbst zweifache Olympiasiegerin, verweist auf Anfragen nur auf ein „abgeschlossenes Kapitel“. Hinter den Kulissen aber brodelt es: Teammanager berichten von Eisstockschiessen-Stimmung im französischen Lager, Trainingsgruppen, die sich aufsplitten, wenn Simon anreist. Die Leistungsträgerin bleibt trotzdem gesetzt – weil sie Punkte liefert.

Die Bilanz: Neun von zehn WM-Titeln seit Prozessbeginn, Gesamtweltcup 2024, erste Einzelmedaille bei der WM 2023. Und ein Satz, der in den Skistadionen Europas kolportiert wird: „Wenn Julia erst strafrechtlich auffällt, wird sie unschlagbar.“

Die Athletin selbst lässt die Ironie des Triumphs nicht unerwähnt: „Ich hätte mir gewünscht, der Preis wäre geringer. Aber die Medaillen sind real, und sie wiegen mehr als jedes Urteil.“ Die Saison 2026/27 steht vor der Tür – mit Simon als Topfavoritin und mit einem Publikum, das nicht mehr nach Schuldzuweisungen fragt, sondern nach dem nächsten Gold.