Johannes kühn beendet nach 24 jahren und 200 weltcup-rennen seine biathlon-karriere
Nach 24 Jahren auf den Brettern, die die Welt bedeuten, legt Johannes Kühn seine Ski an den Nagel. Der 34-jährige Passauer, der 2012 sein Weltcup-Debüt feierte, verkündete am Freitag via Instagram seinen Rücktritt – mit einer Nachricht, die so ehrlich ist wie seine Schießleistungen manchmal nervenaufreibend.
Die bilanz eines querdenkers
„Ob ich immer zufrieden war? Natürlich nicht. Habe ich viele gute Ergebnisse verschossen? Bestimmt. Das ist Biathlon“, schreibt Kühn und schiebt ein lachendes Emoji hinterher. Die Selbstironie ist Programm. 200 Weltcup-Einsätze, zwei Olympia-Teilnahmen, ein einzelner Weltcup-Sieg – die Zahlen wirken bescheiden für jemanden, der einst als großes deutsches Nachwuchstalent galt. Doch Kühn war nie der, der sich in Statistiken erstickte. Er war der Typ, der bei Minus 15 Grad noch mit kurzen Ärmeln trainierte, weil er „die Frische braucht“.
Die Goldmedaille bei der Europameisterschaft 2012? Längst verstaubt. Die Olympia-Starterlaubnis 2018 und 2022? Geschichte. Was bleibt, ist das Erlebnis von Lenzerheide 2025. Da, im Karriere-Herbst, lief er mit der Staffel zu Bronze – seine erste WM-Medaille. „Ich bin schon so lange dabei und es hat nie mit der WM-Medaille geklappt. Es war einfach eine Erleichterung“, sagte er damals mit Tränen in den Augen, die keine Kamera einfing.

Ein abschied ohne fanfare
Kein großes Pressezentrum, keine Tränen-Pressekonferenz. Stattdessen ein Foto vom letzten Saison-Wochenende, dazu drei Sätze. Das passt zu Kühn, der auch in seiner aktiven Zeit nie der Lauteste war. Er war der, der nach einem Fehlschuss lautlos den Stock in den Schnee bohrte, dann aber wieder auftauchte – meist mit einem trockenen Spruch auf den Lippen.
Was folgt? Keine Ahnung. Kühn selbst schreibt nur: „Als Kind hätte man von so etwas geträumt!“ Damit ist alles gesagt. Kein Trainerposten ist angekündigt, kein TV-Engagement. Vielleicht zieht er sich einfach zurück in die Bayerischen Wälder, baut sich eine Schießanlage in den Garten und erzählt seinen Enkelkindern, wie er einmal in Oslo trotz zwei Strafrunden noch auf Platz zwölf schoss. Die Geschichte eines Querdenkers, der irgendwann aufhört, querzudenken. Und genau das ist okay so.
