Joao pinheiro entzaubert: bayern-raser endet im regel-chaos
In der 29. Minute flogen die Fäuste hoch, in der 31. klatschte der Ball gegen den Arm – und in der 33. stand Joao Pinheiro da wie ein Jogger, der vergessen hat, wo die Laufrunde endet. Der Portugiese leitete das Champions-League-Rückspiel zwischen dem FC Bayern und Paris Saint-Germain nicht, er trödelte es herbei. Zweimal binnen 180 Sekunden entschied er gegen die Münchner, zweimal lag er falsch. Danach war die Allianz Arena kein Fußballtempel mehr, sondern ein Tribunal.
Erst verschonte er nuno mendes, dann bügelte er den handelfmeter ab
Die erste Szene: Konrad Laimer prescht rechts durch, Nuno Mendes stemmt sich quer, der Ball springt an dessen Hand. Pinheiro pfeift Freistoß – gut. Dann schwenkt er aber auf ein angeblich vorangegangenes Handspiel des Bayern-Spielers um. Videoaufnahten zeigen: Laimers Arm ist angelegt, der Ball trifft ihn aus kürzester Distanz. Es gab nichts zu entscheiden, außer Gelb-Rot gegen Mendes. Die blieb aus.
Die zweite Szene: Vitinha schlägt einen Befreiungsschlag, Joao Neves dreht sich weg, der Ball donnert gegen seinen ausgestreckten Arm. Bayern-Spieler jubeln, Pinheiro winkt ab, VAR Peter Bankes bleibt stumm. Begründung laut IFAB-Regel: „teammate to teammate“ – trifft ein Mitspieler den Arm eines eigenen Mannes, ist kein Handspiel. Korrekt, aber nur auf dem Papier. Denn Neves’ Arm ist über Schulterhöhe, er vergrößert so sein Körpervolumen, macht sich breiter. In jeder anderen europäischen Top-Liga wäre das ein Elfmeter. In München nur ein Schulterzucken.

Die zahlen, die nachhallen
Seit 2020 hat der FC Bayern in 28 K.o.-Heimspielen genau zwei Elfmeter erhalten – beide gegen Lazio. In der gleichen Zeit bekamen die Gegner acht. Die Differenz ist laut Statista die größte unter allen CL-Teilnehmern mit mindestens 20 Spielen. Pinheiros Leine ist damit nur ein neues Kapitel in einem bekannten Buch.
Nach Abpfiff sprach Thomas Müller trocken von „Wiederholungstalern statt Wiederholungstätern“. Hasan Salihamidžić pflichtete bei: „Wir haben nicht verloren, weil des Schiedsrichters, aber wir haben auch nicht gewonnen, weil er es verhindert hat.“ Die Sätze klangen wie ein Freispruch und eine Anklage zugleich.
PSG zieht mit einem 1:0 ins Finale ein, weil Kylian Mbappé in der 89. Minute einen Konter verwandelt, den Bayern nach vorne nie gewagt hätte, wäre die Führung nicht schon durch zwei strittige Szenen zementiert. Die Champions League bekommt ihren Titelverteidiger, das Turnier aber auch ein Referee-Debakel. Joao Pinheiro wird in der kommenden Saison wieder pfeifen – und die Bayern werden wieder zittern, wenn sie nur seinen Namen hören.
