Itauma schläft franklin ein – der schwergewichts-express rollt weiter
Ein einziger linker Uppercut, und die Frage, wie lange Jermaine Franklin durchhält, war beantwortet: bis Sekunde 1:42 der fünften Runde, dann fiel der US-Amerikaner wie ein nasser Sack nach vorn, das Kinn auf dem Ringboden, der Verstand irgendwo zwischen Sheffield und Ohio.
Der 21-jährige Moses Itauma stand längst schon über ihm, die Arme hoch, das Gesicht so ruhig, als hätte er eben nur eine Kaffeemaschine angeworfen. 14 Profikämpfe, 12 vorzeitige Siege – die Zahlen klingen wie ein Tippfehler, weil sie sich nicht mit dem verbrennenden Tempo seines Aufstiegs vereinen lassen.
Franklin war der prüfstein – itauma nahm ihn mit zur schleiferei
Wer Anthony Joshua über zwölf Runden fragt, wer Dillian Whyte in eine Krise stürzt, der galt als Gradmesser. Itauma schickte ihn innerhalb von fünf Runden zweimal auf die Bretter, das erste Mal schon im dritten Abschnitt, als Franklins Knie einrasteten wie bei einem alten VW, dessen Handbremse verrostet ist.
Der Linkshänder mischt Präzision mit Sadismus. Jabs, die wie Rasierklingen durch die Deckung gleiten, Aufwärtshaken, die die Schultern des Gegners zuerst nach oben, dann nach hinten schieben. Und dazwischen täusche Bewegungen, die Franklin immer wieder den Bogen aus den Augen nahmen. Wer so boxt, der boxt nicht gegen den Mann gegenüber, sondern gegen die Uhr der eigenen Karriere.
Die physischen Daten passen ins Bild: 1,98 Meter, 108 Kilo, aber mit einer Fußgeschwindigkeit, die selbst Cruisergewichtler neidisch macht. Itaumas Körper scheint sich alle zwei Monate neu zu erfinden – schmaler, härter, schneller. „Ich will der Gesicht der Division werden“, sagt er, und man glaubt ihm, weil er dabei nicht protzt, sondern constatiert.

Der nächste gegner ist noch ein phantom – aber der titel schon nicht mehr
Promoter Frank Warren sprach nach dem Kampf von „Optionen“, was im Boxjargon heißt: wir prüfen Kalender, Geld und Risiko. Itauma selbst schaltet zwei Stunden später auf Instagram einen Clip: er joggt durch den kalten Doncaster-Morgen, keine Schutzmaske, kein Entourage, nur ein Handy und ein Grinsen. Die Botschaft: ich bin bereit, wann immer ihr es seid.
Die WBO hat ihn schon bei 14 Kämpfen in ihre Top-15 gesetzt, die IBF wird nachziehen. Eine Pflichtverteidigung gegen einen Top-Fünf-Boxer ist keineswegs ausgeschlossen, wenn die Fernsehgelder stimmen. Die einzige Frage ist, ob sich ein Champion traut, den Jungen zu füttern, bevor der Junge den Champion verspeist.
Was bleibt, ist das Gefühl, Zeuge eines frühen Kapitels zu sein, das irgendwann als Legende gebunden wird. Itauma boxt nicht einfach – er überholt die Gegenwart. Und wenn er das nächste Mal in den Ring steigt, braucht er vielleicht nur noch drei Runden, um die Geschichte zu kürzen.
