Italiens wm-debakel: europas fußball-macht kollabiert – die internationalen medien sprechen vom „größten drama aller zeiten“

Die Nacht von Mailand wird in Madrid als „historisches Fiasko“ tituliert, in Paris als „ammut“ und in London schlicht als „Ende einer Ära“ beschrieben. Italien raus – und mit der Squadra Azzurra scheint eine ganze Fußballkultur zu implodieren.

Marca zieht die reißleine: „italia, el drama más grande del fútbol mundial“

Marca zieht die reißleine: „italia, el drama más grande del fútbol mundial“

Die spanische Sportbibel setzt dem vierfachen Weltmeister die Krone der ewigen Versager auf. „Ein Land, das 2006 noch jubelte, wirkt heute wie ein vergessener Kartenhalter im Lotto des Weltfußballs“, schreibt Reporter Raúl Varela direkt aus dem Estadio Metropolitano. Die Redaktion spart nicht mit Superlativen: „Pech, Feigheit und taktische Bankrotterklärung – das war keine Niederlage, das war klinische Selbstaufgabe.“

L’Equipe in Paris sieht „la honte en bleu“ – die Schande in Blau – und erinnert daran, dass Frankreich 2010 bereits den Absturz erlebte. „Italiens Fall ist aber steiler“, konstatiert Chefredakteur Stéphane Mandard. Die These: Ein System, das seit Jahren auf Verteidigung und Catenaccio setzte, habe die Moderne verschlafen. Daten? Die Laufleistung der Italiener lag lief UEFA-Statistik 7,3 km unter dem Turnierdurchschnitt.

The Guardian wirft dem italienischen Verband „strukturelle Trägheit“ vor. Autorin Suzanne Wrack ortet „ein Land, das seine Talente exportiert, aber keine Identität mehr importiert“. Die Wortwahl ist vernichtend: „Italia spielte wie ein Museum, das vergessen hat, dass Fußball ein lebendes Organismus ist.“

De Telegraaf aus Amsterdam sieht den „Totengräber des Tiki-Taka“ selbst beerdigt. „Wenn Spanien 2010 den Ballbesitz neu erfand, schreibt Italien 2026 das Kapitel ‚Besitz ohne Sinn‘ neu“, so Analyst Freek Jansen. Der niederländische TV-Experte Rafael van der Vaart twitterte noch während des Spiels: „Italien läuft in Zeitlupe – und das ohne Slow-Motion-Kamera.“

Bild springt auf den Shame-Train mit: „Pizza, Pasta, Panik – die Azzurri servieren ein Drei-Gänge-Menü der Selbstzerstörung.“ Die Boulevard-Redaktion rechnet vor: seit der EM 2021 hat die Squadra 38 Prozent ihrer Pflichtspiele verloren – ein Wert, den selbst Nordmazedonien unterschreitet.

A Bola in Lissabon erinnert an das 0:1 von North Macedonia im play-off 2022 und sieht ein „Déjà-vu mit Folie“. Die portugiesische Analystin Carla Nunes spricht von „italienischem Groundhog Day“: „Sie scheitern immer am selben Punkt – am Mangel an Tempo und Idee.“

Olé aus Argentinien liefert das Schmankerl: „Messi hat es vorgemacht, Italien macht nach – nur ohne Happy End.“ Die Zeitung wirft der Squadra vor, „den Fußball ihrer eigenen Legenden nicht mehr zu sprechen“.

The Athletic (New York Times) schickt US-Reporterin Pamela Dillon nach Europa. Ihr Fazit: „Wenn die USA 2026 mit Kanada und Mexiko die WM austragen, fehlt plötzlich der europanische Klassiker. Das Turnier verliert seine Seele, bevor der erste Ball rollt.“

Lo que nadie cuenta es que der italienische Verband schon am Morgen nach dem Aus die Kaderpläne für 2027 plant – ohne 11 der 23 Weltmeister von 2006. Die durchschnittliche Liga-Einsatzzeit der aktuellen Nominierung liegt bei 42 Prozent – ein Wert, den selbst der DFB in seiner Tiefstphase 2018 noch übertraf.

Die Zahl, die alles sagt: 1,2 Tore pro Turnier seit der EM 2016 – das ist weniger als Island (1,4) und genauso viel wie der Iran. Die Squadra Azzurra ist nicht nur raus, sie ist entzaubert. Der Mythos stirbt nicht mit einem Schlusspfiff, sondern mit einem langen, gekünstelten Abgang. Die internationale Presse schreibt das Nachruf – und Italien muss neu anfangen, bevor der eigene Soundtrack verstummt.