Italiens rettungslos jugendliches experiment: 0:1-sieg gegen luxemburg, nur 21,8 jahre durchschnitt

Ein Kader, der aussieht wie ein Junioren-Trainingslager, ein Siegtreffer von einem U21-Stürmer, ein Debüt nach dem anderen: Italien lieferte am Dienstagabend in Parma kein Länderspiel, sondern ein Statement – das der Resignation. Während die Konkurrenten WM-Form testen, spielte die Squadra Azzurra gegen Luxemburg mit einer Elf, in der nur Gianluigi Donnarumma mehr als 25 Länderspiele auf dem Konto hatte. Der 1:0-Erfolg schmeckt trotzdem bitter.

Ein team, das noch kein ticket für serie a hat

Zwölf Feldspieler, kein einziger Ligadebütant vorher in der Nationalmannschaft. Constantino Favasuli und Luigi Cherubini trugen das blaue Trikot, bevor sie jemals einen Profivertrag unterschrieben haben. Die Durchschnittsnote der Anfangsformation: 21,8 Jahre. Das ist jünger als manche U21-Kader, die Italien bei der EM schickt. Interimscoach Silvio Baldini trat vor der Partie noch lächelnd vor die Presse, danach wirkte er wie ein Mann, der die Rechnung für das Chaos der letzten Monate präsentiert bekommt.

Baldini hatte die Freiheit, jede Formation aufzustellen, die er wollte – und nutzte sie. Die Folge: ein Mittelfeld aus drei Spielern, die in dieser Saison zusammen 13 Minuten Bundesligaluft schnupperten. Die Abwehr stand tief wie in der Catenaccio-Ära, nur dass hinten statt Baresi und Maldini nun Samuele Inacio auflief, 19, gerade aus Dortmunds U19 gestolpert. Er kam in der 86. Minute, holte sich noch schnell sein Debüt ab, als ob jemand vergessen hätte, ihm vorher das Ticket zu geben.

Das tor, das niemandem hilft

Das tor, das niemandem hilft

Die Entscheidung fiel nach 47 Sekunden Nachspielzeit der ersten Hälfte. Francesco Pio Esposito, 20, Stürmer des FC Südtirol, verwertete eine Flanke von Fabio Pisilli, 19, Mittelfeldspieler von Roma Next Gen. Beide hatten vorher noch nie ein Länderspiel absolviert, beide werden wohl nie wieder zusammen in dieser Formation spielen. Der Jubel war verhalten, die Stimmung in der Stadio Ennio Tardini zwischen Fremdschämen und Faszination.

Luxemburg, FIFA-Rang 98, hatte mehr Ballbesitz (58 %), mehr Torschüsse (12:9) und die besseren Chancen. Die Italiener liefen, rannten, grätschten – und wirkten doch wie eine Gruppe, die sich vorher per WhatsApp zusammengeschrieben hat. Die Kurve sang zwar „Forza Azzurri“, doch der Klang war hohl. Es war, als würde man eine Oper aufführen, aber die Hauptdarsteller sind noch in der Schule.

Wie italien in der warteschleife hängt

Wie italien in der warteschleife hängt

Der Verband hat seit dem Rauswurf von Luciano Spalletti vor fünf Wochen keinen neuen Bundestrainer präsentiert. Baldini ist Übergangslösung, Notnagel, Feuerwehrmann. Er weiß: Nach diesem Spiel wird er Geschichte sein – und das ist vielleicht das einzig Wahre an diesem Abend. Die Mannschaft, die er zusammenstellen musste, ist ein Fingerzeig auf das Desaster, das die italienische Fußballbürokratie angerichtet hat.

Nächster Gegner: Türkei, Anfang Juni, ebenfalls nur Testspielcharakter. Ob dann wieder eine U21-Auswahl ran muss, entscheidet sich in den kommenden Tagen. Die Fans jedenfalls haben ihre Meinung. Auf Twitter kursiert ein Bild der Startelf mit der Überschrift: „Diese Elf kostet weniger Gehalt als ein Drittel von Chiellini allein.“ Die Ironie trifft ins Herz.

Der Sieg gegen Luxemburg bringt keine Punkte, keine Aussicht, keinen Stolz. Er bringt nur eins: die Gewissheit, dass Italien gerade dabei ist, seine eigene Identität auf dem Rasen neu zu erfinden – und zwar ausgerechnet ohne jene Spieler, die einst die Weltmeisterschaften gewannen. Die Azzurri sind jung, hungrig und verloren. Die Frage ist nicht, wann der nächste Trainer kommt. Die Frage ist: ob dieser Kader jemals erwachsen wird.