Italiens neuer radstar: lorenzo mark finn jagt nibalis erbe
12 Monate, zwei Regenbogentrikots – Lorenzo Mark Finn hat die Junioren-Weltmeisterschaft in Zürich und die U23-WM in Kigali hintereinander gewonnen. Nur Matej Mohoric schaffte das 2012/13 zuvor. Jetzt rollt der 19-jährige Italiener mit britischem Pass und genuesischem Temperament auf die WorldTour zu.
Genuesische straße, englisches herz
In Salto, einer Fraktion von Avegno über den Klippen der Riviera di Levante, hat jemand mit breiter Kreide Dagghè Finn auf den Asphalt gesprayt. „Dagghè“ – ein Schrei, ein Anfeuerungsruf, ein Gebet in Dialekt. Dort wohnt Lorenzo mit seiner Mutter Chiara, einer gebürtigen Ligurierin, und seinem Vater Peter, einem Sheffielder, der dem Sohn früh die Blüten des Hillsborough-Stadions zeigte. Zwischen Meer und Apennin wuchs ein Rennfahrer heran, der perfekt zweisprachig ist und trotzdem keine Übersetzung braucht, wenn man ihn „the next big thing“ nennt.
Er begann mit Fußball, schmiss das Tennis wieder in die Tasche, dann kam das Fahrrad – und blieb. Maturazeugnis in der Tasche, Zielstrebigkeit im Blick. Coach John Wakefield, Ex-Profi aus Südafrika, mag Vergleiche mit Vincenzo Nibali nicht: „Lorenzo wird kein zweiter Nibali, sondern der erste Finn.“ Die Red-Bull-Akademie, in der bereits Davide Donati und Alessio Magagnotti schwitzen, verordnete Geduld: WeltTour-Debüt frühestens 2027.

Programm 2025: regenbogen und rendezvous mit den großen
Diese Saison mischt Finn zwei Karten: U23-Rennen mit gestreiftem Trikot und Etappenappelle gegen Profis. Giro Next Gen und Tour de l’Avenir stehen oben auf der Liste, bevor es im September nach Canada zum U23-WM-Kurs geht. Die Uhr tickt laut, doch die Nerven bleiben still. Mutter Chiara nennt ihn „tranquillo, determinato, onesto“. Vater Peter lacht, wenn er von den gemeinsamen Rad-Urlauben erzählt: „Wir sind mit Taschen voller Kekse über die Colli di Liguria gekrochen, und er hat nie gemeckert.“
Italiens Radszene sucht seit Nibalis Rückzug einen neuen Helden. Die Statistik sagt, dass kein Italiener seit 2016 eine monumentale Klassiker-Saison gewinnt. Finn trägt die Last nicht allein, aber er trägt das Trikot. Und auf der Straße nach Salto wartet bereits der nächste Kreide-Spruch: „Dagghè Finn – fino a Sheffield.“
