Italiens justiz steht am scheideweg: referendum spaltet das land
Mailand, 23. März 2026, 17.03 Uhr – Die Wahllokale sind geschlossen, die Urnen voll. Mit 58,93 Prozent haben die Italiener eine Wahlbeteiligung hingelegt, die selbst Optimisten überrascht. Nun zählt jede Stimme, denn das Referendum zur Justizreform hat das Land in zwei Lager gespalten: Drei Regionen haben schon jetzt deutlich mit Ja gekreuzt, vier andere liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen, das erst morgen früh ein Ende finden dürfte.

Die reform, die richter und staatsanwälte entzweit
Parlament und Regierung haben sich mit der Trennung der Karrieren zwischen Richtern und Staatsanwälten ein heißes Eisen angefasst. Wer künftig Anklage erhebt, soll nicht mehr zum selben Richterkarree gehören wie der, der später urteilt. Dazu kommt eine neue Disziplinarkammer für verfehlte Magistrate – ein Gremium, das bislang nicht existiert und das viele Juristen als politische Feuerwehr kritisieren.
Weil es sich um ein bestätigendes Referendum nach Artikel 138 der Verfassung handelt, gibt keine Quorum-Falle: Die Entscheidung gilt, egal wie viele Bürger die Urne aufsuchen. Die hohe Beteiligung zeigt aber, dass sich Italien dieser Zäsur bewusst ist. In Lombardei und Venetien stauten sich bis zuletzt Schlangen vor den Schulturnhallen, in Sizilienhingegen blieben viele Stimmzettel ungenutzt.
Das Zahlenwerk beginnt. Prognosen will heute Niemand mehr abgeben, zu knapp liegen die Prognosefehler der vergangenen Abstimmungen in Erinnerung. Fest steht nur: Gewinnt das Ja, tritt die Reform am 1. Januar 2027 in Kraft – mit Folgen für 11.000 Richter und Staatsanwälte. Verliert sie, muss Giorgia Meloni ihren Kurs neu vermessen und riskiert eine weitere Legislaturperiode mit blockierten Justizgesetzen.
Die ersten amtlichen Teilergebnisse werden gegen 22 Uhr erwartet, die endgültige Proklamation dürfte den Montag überdauern. Wer jetzt schon Trends erkennen will, muss sich an die Farben der Regionalpräfekten halten: Rot markiert Überraschungen, Grau signalisiert Stimmengleichheit. Und die ist heute die wahrscheinlichste Konstante.
