Italiens fußball blamiert sich in europa reihenweise
Fünf Gegentore im Champions-League-Finale gegen PSG. Sechs Tore im eigenen Stadion gegen Bayern München. Sieben Treffer in zwei Spielen gegen Galatasaray. Die Serie A hat sich in dieser Europasaison nicht nur blamiert – sie hat sich regelrecht vorgeführt. Und das mit einer Regelmäßigkeit, die längst kein Zufall mehr ist.
Eine niederlage wäre zu verschmerzen – aber das hier ist ein muster
Ich sage das ungern, weil ich den italienischen Fußball aufrichtig schätze: Was Inter, Napoli, Juventus, Atalanta und Fiorentina in den vergangenen Monaten auf europäischem Parkett gezeigt haben, war kein Pech. Es war strukturelles Versagen. Inter verlor das Finale in München mit 0:5 gegen PSG. Atalanta kassierte daheim, im eigenen Gewiss-Stadion, eine 1:6-Klatsche gegen Bayern. Das sind keine Ausreißer. Das ist ein Befund.
Woran liegt das? Die Antwort ist unbequem, aber klar: Wenn eine Mannschaft in Europa unter Druck gerät, fehlt ihr der Biss. Keine Gegenwehr, kein Aufbäumen, keine Lösungen. Gazzetta-Journalist Lorenzo Cascini hat es treffend auf den Punkt gebracht – es mangelt an Cattiveria, an Kampfgeist, an dem Instinkt, den Gegner auch dann noch zu beißen, wenn es wehtut.

Bodo/glimt, eindhoven, galatasaray – die liste der peinlichkeiten wächst
Inter kassierte gegen Bodo/Glimt in zwei Partien fünf Tore – gegen ein Team aus dem norwegischen Niemandsland. Napoli erlebte eine finstere Nacht in Eindhoven. Juventus ließ sich von Galatasaray sieben Mal überwältigen. Fiorentina zitterte gegen Jagiellonia Białystok. Das ist kein europäisches Mittelfeld mehr – das ist freier Fall.
Was diese Niederlagen verbindet, ist nicht die Qualität der Gegner. Es ist die Reaktion der Italiener, sobald der erste Rückstand fällt. Kein Aufbäumen. Kein Plan B. Die Mannschaften frieren ein, und der Gegner dreht auf. Heim oder auswärts – der Unterschied spielt kaum noch eine Rolle.
Der vergleich mit europa tut weh – und er sollte weh tun
Während englische, deutsche und spanische Klubs in K.o.-Phasen Mentalität zeigen, auch wenn es eng wird, schauen die Italiener zu, wie die Anzeigetafel immer absurder wird. Bayern München schießt sechs in Bergamo. PSG schießt fünf in München. Das sind keine Zufälle – das sind Aussagen über den Zustand eines ganzen Fußballsystems.
Die Serie A verkauft sich gerne als taktisch ausgefeilteste Liga der Welt. Vielleicht stimmt das im Ligaalltag noch. Aber auf europäischer Bühne, gegen Gegner, die Tempo und Intensität als Waffe einsetzen, bricht das taktische Konstrukt zusammen wie ein Kartenhaus im Sturm.
Die Zahlen dieser Saison sind kein Weckruf mehr. Sie sind das Urteil.
