Italiens basketball-frauen zerstören 32-jahre-fluch und schicken spanien heim
San Juan de Puerto Rico, 16. März, 01:05 Uhr Ortszeit. Der Buzzer ertönt, die italienische Bank explodiert, und Cecilia Zandalasini presst das Spielball-Ticket an ihre Lippen, als wäre es ein Flugschein nach Berlin. 68:56 gegen Spanien – mehr brauchte das Team von Andrea Capobianco nicht, um den längsten Qualifikationsbann Europas zu rupfen. 32 Jahre hat es gedauert, seit Italien 1994 in Australien das letzte Mal bei einer WM dabei war. Nun, vom 4. bis 13. September, stehen die Azzurre wieder im Land der Titelträumer.
Die geburtstags-torhüterin eröffnet das tor zur geschichte
Genau heute, am 30. Geburtstag von Zandalasini, war sie nicht nur unaufhaltsam, sondern geradezu rituell: 22 Punkte, 6/10 aus dem Feld, 7/7 vom Freiwurflinie, plus der Dreier zum 66:56, der die Spanierinnen mit 87 Sekunden Restuhr endgültig in die Schockstarre schickte. Francesca Pasa lieferte 14 Zähler nach, doch die Show gehörte der Baslerin, die nach Abpfiff tatsächlich Pappflugtickets an ihre Teamkolleginnen verteilte – symbolisch, aber mit echtem Stempel: Berlin.
Die Partie kippte Mitte des dritten Viertels. Bei 34:40 schien Spaniens Routine zu siegen, doch Capobianco wechselte auf 3-2-Zone, spannte Lorela Cubaj als frei operierende Sicherheitskette. Drei Minuten später lag Italien mit 48:44 vorne – und Spanien lief erstmals die Luft aus. „Wir haben eine mentale Qualität gespielt, wie ich sie selten erlebt habe“, sagte der Coach, der die Bronzemedaille der EM 2023 schon in der Tasche hatte und nun den zweiten Großevent in Folge knackt.

Der präsident jubelt – und der bruder im himmel auch
Für Gianni Petrucci, Präsident des italienischen Basket-Bunds, ist die Qualifikation „ein Beweis für Kontinuität in einem Investitionsmarathon“. Gemeint sind Nachwuchs-Centers, Analytics-Abteilungen und ein Frauen-Bundesliga-Slot, der seit 2021 mit TV-Pool-Geldern gefüttert wird. Capobianco hingegen widmete den Sieg seinem im Juli verstorbenen Bruder: „Er hat mich gelehrt, dass man Träume nicht aufschiebt.“
Die Zahlen sprechen ohne Pathos: 7 Turnier-Niederlagen in Serie gegen Spanien, 5 davon mit zweistelligem Rückstand – beendet. Dazu der Effizienzwert von 24 bei Zandalasini, höchster Einzelwert des gesamten Qualifikationsfensters. Und der Fakt, dass Italiens Defence die Ibererinnen auf 34 % Feldwurfquote drückte, während das eigene Tempo bei 14 Fast-Break-Punkten lag.
Am Mittwoch folgt noch das Spiel gegen Senegal, bedeutungslos für die Tabelle, aber nicht für die Psyche. Danach heißt es Koffer packen. Berlin wartet, 32 Jahre Verspätung – und ein ganzes Land, das plötzlich wieder an Großes glaubt. Zandalasini wird 31, wenn der erste Sprungball in der Mercedes-Benz Arena fällt. Sie hat schon ihren Geburtstag im Voraus gefeiert – nun will sie den eigentlichen Höhepunkt.
