Italiens baseball-helden schocken puerto rico – aldegheri will den traum leben

Samuel Aldegheri steht um 20 Uhr auf dem Mound von Miami und wirft für ein ganzes Land. Der 22-jährige Veroneser ist der erste Italiener, der in der MLB aufläuft – und heute soll die wichtigste Partie seines Lebens folgen. Viertelfinale im World Baseball Classic, Gegner Puerto Rico, Lineup voller All-Stars. Die Azzurri sind nicht nur noch dabei, sie sind Gruppenerster vor den USA. Das hat es seit 1934 nicht gegeben.

Ein team, das keiner auf dem zettel hatte

„Wir sind hier, um die Welt zu schocken“, sagte GM Ned Coletti vor zwei Wochen in den Clubhouse-Katakomben von Taichung. Seitdem rauscht dieser Satz durch jeden Flug, jedes Hotel, jedes Bullpen-Gespräch. Italien kam als Nummer 13 der Setzliste, ohne eigenes Liga-System, dafür mit 24 Jungs, die in New Jersey, Florida und Kalifornien lernen, wie man einen Slider wirft. Die meisten sprechen besser Englisch als Italienisch, doch wenn sie die blaue Kappe aufziehen, werden sie laut. „Fühlt sich an, als wären wir seit Monaten zusammen“, sagt Aldegheri. „Keiner trägt sich, keiner schlägt auf den Tisch. Wir reden. Und wir glauben.“

Der Glaube hat Methode. Francisco Cervelli, 37, Ex-Yankee, fängt, erklärt, schimpft, umarmt. Vinnie Pasquantino, 25, Designated Hitter der Royals, liefert die Homer, aber auch die Rede nach dem 7:1 gegen Mexiko: „Niemand hat uns auf dem Zettel, vielleicht wir selbst auch nicht.“ Die Statistik liebt sie trotzdem: Aldegheri führt die Strike-out-Rate aller Starter, das Batting Average klettert auf .313, nur Japan ist besser. Dahinter steckt eine simple Taktik: keine Angst vor Fehlern. „Wenn du den Runner rauswirfst, gut. Wenn nicht, holt dich der nächste rein. So entsteht Seelenruhe“, erklärt der Pitcher.

Verona rüttelt am boot, puerto rico zittert

Verona rüttelt am boot, puerto rico zittert

In San Martino Buon Albergo, einem Vorort von Verona, steht das Feld, auf dem Aldegheri als Zwölfjähriger seine ersten Fastballs schleuderte. Heute schickt ihm die Heimat Videos von Fanmärschen, Tröten und Schulklassen, die um 2 Uhr nachts vor dem Weißbier-Plasma sitzen. „Mein Handy ist nach Brasilien explodiert“, lacht er. „Die wissen, dass wir Geschichte schreiben.“ Puerto Rico will die Geschichte stoppen. Ohne Correa und Lindor, dafür mit Arenado, Vázquez, Maldonado – und mit Yadier Molina als Coach. „Ich hätte sie gerne alle gesehen“, sagt Aldegheri. „Aber wir haben nichts zu verlieren. Und das macht gefährlich.“

Die Azzurri haben schon den USA den Takt genommen, Mexiko den Atem, Kanada den Traum. Jetzt droht Puerto Rico dasselbe Schicksal. Im Bullpen kocht Espresso, im Dugout läuft Dean Martin. Die Italo-Amerikaner feiern ihre Großeltern, die Großeltern feiern die Heimkehr ihrer Namen. „Wir sind nicht fertig“, ruft Aldegheri. „Not yet.“ Um 20 Uhr wird er den ersten Ball werfen. Millionen schauen hin. Und für einmal zählt nicht die Flagge im Pass, sondern die auf der Brust. Blau wie das Mittelmeer, heiß wie ein Fastball im März.