Italienisches desaster: war es wirklich nur ein unachtsamer jugendlicher?

Rom erbebte gestern. Nicht vor Freude, sondern vor blankem Entsetzen. Die italienische Nationalmannschaft, angeschlagen und demoralisiert, steht vor dem Aus. Und während die üblichen Sündenböcke – Pech, Schiedsrichter, vermeintliche Verschwörungen – die Gesprächsstände füllen, schwebt ein unbehagliches Detail über allem: der Vorfall mit dem Balljungen und Gianluigi Donnarumma.

Ein „scherzchen“, das den traum zerstörte?

Ein „scherzchen“, das den traum zerstörte?

Die Geschichte ist schnell erzählt: Vasilj, der Balljunge aus Zenica, stahl Afan, einem weiteren Balljungen, die Notizen von Donnarumma über Elfmeterschießen. Afan nutzte die Gelegenheit, die Blätter dem italienischen Torwart abzuhandeln. Was zunächst wie ein harmloser Streich wirken mag, entpuppte sich als entscheidender Moment. Donnarumas Reaktion war heftig, die Bilder gingen um die Welt. Doch war es wirklich nur die Reaktion eines frustrierten Sportlers? Oder verbirgt sich hinter diesem vermeintlichen „Scherzchen“ etwas Dunkleres?

Die Gazzetta dello Sport veröffentlichte heute ein Interview mit Afan, das ein neues Licht auf die Ereignisse wirft. Er handelte, so seine Aussage, aus dem Wunsch heraus, seiner Mannschaft zu helfen. Ein edles Motiv, zweifellos. Aber wie weit darf man gehen, um den Sieg zu ergreifen? Und ist es wirklich angemessen, einen jugendlichen Fan für eine solche Aktion zu feiern, während die Nationalmannschaft am Boden liegt?

Die FIFA wird sich womöglich mit dem Fall befassen, und man kann sich sicher sein, dass die Diskussion über „illegale Hilfe“ für das Heimteam neu entflammt wird. Schließlich sind wir alle Zeugen, wie Schiedsrichterpfiffe und Linienrichterentscheidungen zunehmend von subjektiven Interpretationen geprägt sind. Ein Balljunge, der Notizen stiehlt, ist da nur die Spitze des Eisbergs.

Die italienischen Fans suchen nach Erklärungen. Einige klammern sich an die Theorie einer globalen Verschwörung, andere schieben die Schuld auf den Schiedsrichter Turpin, dessen Leistungen in dieser Nacht mehr als fragwürdig waren. Aber die Wahrheit ist: Italien hatte seine Chancen, hat sie jedoch verschenkt. Die Entschuldigungen sind müßig. Die Niederlage ist bitter, und der Vorfall mit dem Balljungen ist der bittere Nachgeschmack.

Es bleibt die Frage, ob diese Episode nicht eher ein Symptom ist als die Ursache. Ein Spiegelbild einer Mannschaft, die unter Druck zerbricht, die sich auf äußere Umstände beruft, anstatt die Verantwortung für ihre eigenen Fehler zu übernehmen. Die italienische Nationalmannschaft muss sich dringend fragen, wo sie stehen – und was sie tun muss, um wieder konkurrenzfähig zu werden. Die Welt wird zusehen.