Italienischer fußball am abgrund: gravina wehrt sich gegen rücktrittsforderungen
Ein Schock erschüttert den italienischen Fußball: Nach dem verpassten WM-Ticket – bereits das dritte in Folge – drohen Gabriele Gravina, dem Präsidenten des italienischen Fußballverbands (FIGC), massive Rücktrittsaufforderungen. Die Lega, Italiens zweitstärkste Regierungspartei, schlägt eine radikale Neugestaltung des Verbandes vor, die mit Gravinas sofortigem Rücktritt beginnen soll.

Die krise des azzurri: eine nationale schande?
Die Niederlage im Elfmeterschießen gegen Bosnien-Herzegowina am Dienstagabend hat die ohnehin angespannte Lage im italienischen Fußball weiter verschärft. Die Enttäuschung in der Nation ist riesig, und die politische Spitze macht ihrer Unzufriedenheit Luft. Die Lega spricht von einer „inakzeptablen Schande“ und fordert einen kompletten Umbruch. „Wieder ausgeschieden, wieder keine WM für Italien – das muss sich ändern“, so die knallharte Verlautbarung der Partei.
Gravina selbst hält jedoch auf einen Rücktritt nicht. Er berief den Vorstand des Fußballverbands für nächste Woche ein und betonte, dass solche Entscheidungen gemäß Statuten im Kompetenzbereich des Gremiums liegen. „Ich verstehe die Forderungen, aber die Entscheidung liegt beim Vorstand“, erklärte er in italienischen Medien. Ein Lichtblick am Horizont: Gravina hat Trainer Gennaro Gattuso gebeten, seinen Posten zu behalten und weiterhin an der Sanierung des Teams zu arbeiten.
Die Verantwortung für die Misere sieht Gravina eindeutig beim Verband selbst – und somit auch bei sich persönlich. „Die objektive Verantwortung liegt beim Fußballverband, sie liegt bei mir“, sagte er. Er sprach von einer „großen Krise“, die eine umfassende Neugestaltung des italienischen Fußballs erforderlich mache. Dabei gehe es längst nicht nur um den Verband, sondern auch um die Ligen und die Vereine. „Es braucht eine umfassendere Überlegung darüber, was geändert werden muss.“
Auch die Zukunft von Sportchef Gianluigi Buffon, einer Fußballlegende, schwebt in der Schwebe. Buffon selbst zeigte sich nach der Niederlage besonnen: „Wir müssen uns nach dieser Niederlage Zeit nehmen. Die Saison endet im Juni. In den nächsten drei Monaten werde ich weiterhin dem Verband zur Verfügung stehen.“ Die Gefahr einer unrationalen Reaktion aufgrund der Enttäuschung ist jedoch real, so Buffon weiter. Die Frage, ob er weiterhin das Ruder übernehmen wird, bleibt offen.
Die Situation ist ernst. Der italienische Fußball steht an einem Scheideweg. Ob Gravina und sein Team den notwendigen Wandel einleiten können, wird sich zeigen. Die Fans fordern Taten, nicht Worte. Die nächste Generation von Fußballern braucht eine stabile Basis, um wieder an die Weltspitze zurückzukehren. Die Zeit drängt.
