Italienische liga fordert neuanfang: politik und fußball müssen zusammenarbeiten

Rom – Die italienische Fußballliga steckt in einer Krise, und Präsident Ezio Maria Simonelli hat im Parlament eindringlich gefordert, dass Politik und Fußball endlich die Zusammenarbeit suchen müssen, um eine grundlegende Reform anzustoßen. Die Situation ist ernst, und die Zeit zum Handeln reif.

Veraltete stadien bremsen den erfolg

Simonelli prangerte bei seiner Anhörung vor der VII. Kulturkommission des Parlaments die veraltete Infrastruktur als massives Problem an. Während andere europäische Top-Ligen durch florierende Einnahmen aus Stadionbesuchen profitieren, hinken italienische Stadien hinterher. Der Vergleich zwischen dem neuen Bernabéu in Madrid und dem San Siro in Mailand ist niederschmetternd: Die Einnahmen des spanischen Stadions sind um 350 Prozent höher! Das bedeutet eine schlechtere Fan-Erfahrung, geringere Einnahmen und einen Wettbewerbsnachteil gegenüber anderen Ligen.

Piraterie und fehlende tv-rechte schaden dem system

Piraterie und fehlende tv-rechte schaden dem system

Ein weiteres Problem ist die weit verbreitete Piraterie digitaler Inhalte, die dem italienischen Fußballsystem jährlich Schäden in Höhe von über 300 Millionen Euro zufügt. Hinzu kommt, dass Telekommunikationsunternehmen in Italien nicht in der Lage sind, die Fernsehrechte gebündelt mit ihren Konnektivitätsdienstleistungen zu verkaufen – ein Wettbewerbsvorteil, den andere europäische Ligen nutzen. Die Liga verliert dadurch wichtige Einnahmen.

Staatliche einflussnahme gefährdet wettbewerb

Staatliche einflussnahme gefährdet wettbewerb

Besonders kritisch sieht Simonelli die geplante Reform der Malandri-Gesetzgebung. Er warnt davor, dass die staatliche Festlegung der Verteilungskriterien für die Einnahmen der Vereine, wie es in Italien und Spanien der Fall ist, im Vergleich zu England, Frankreich und Deutschland, die dort von den Ligen selbst durch Vereinbarungen zwischen den Klubs festgelegt werden, einen Wettbewerbsnachteil darstellt. „In anderen Top-Ligen entscheiden die Vereine selbst, wie die Einnahmen verteilt werden – in Italien legt das der Staat fest. Das ist ein fundamentaler Unterschied!“

Nachwuchs fördern und steuern anpassen

Nachwuchs fördern und steuern anpassen

Um die Zukunft des italienischen Fußballs zu sichern, fordert Simonelli die Einführung von Mechanismen, die den Kauf von jungen Talenten im Inland attraktiver machen. Ein Vorschlag ist die Anwendung des Reverse-Charge-Mehrwertsteuerverfahrens, um die finanzielle Belastung beim Kauf italienischer Spieler zu verringern. Die Liga arbeitet bereits an Maßnahmen zur Förderung des Nachwuchses, beispielsweise durch die Verpflichtung von zehn italienischen Spielern pro Team in den Primavera-Mannschaften.

Die Situation ist ernst, aber Simonelli sieht auch eine Chance: „Die Politik kann sich wegducken und noch restriktivere Regeln erfinden, oder sie kann sich mit uns an einen Tisch setzen und gemeinsam eine grundlegende Reform des italienischen Fußballs anstoßen. Es liegt an uns allen, diese Krise in eine Chance zu verwandeln. Nur so kann der italienische Fußball seine alte Größe zurückgewinnen.