Italien schreibt basketball-geschichte: wm-ticket nach 32 jahren endlich wieder gelöst
San Juan de Puerto Rico war nur Zwischenstopp – und wurde zur Jahrhundert-Mission. Mit dem 73:59 gegen Spanien hat Italien sein Ticket für die Basketball-Weltmeisterschaft der Frauen in Berlin gelöst, 32 Jahre nach dem letzten Auftritt. Die Azzurre von Trainer Andrea Capobianco schlugen Gastgeber Puerto Rico, Neuseeland und Spanien, zeitigten drei Siege, null Niederlagen. Jetzt wartet am heutigen Montag nur noch der Ehrensieg gegen den Senegal.
Lorela cubaj ist der verborgene motor
Die 24-jährige Centerin Lorela Cubaj trägt die Last unter den Körben, wo Italien früher stets den Kürzeren zog. Geboren in Terni, ausgebildet in Atlanta, geprüft in New York. Ihre Hände sind voller Kratzer, ihre Statistik voller Double-Doubles. „Wenn ich foule, foule ich zurück“, sagt sie knapp. Kein Pathos, nur Arbeit. Gegen Spanien holte sie 11 Punkte und 8 Rebounds, aber die Zahl, die niemand notiert: sie verbrannte zwei Offensivfouls, eröffnete danach jedes Pick-and-Roll neu.
Die Frontline mit Olbis, Madera und Keys funktioniert, weil alle vier schon gemeinsam U16-Turniere in Udine und Matosinhos gespielt haben. Capobianco musste kein neues System einstudieren, er brauchte nur eine Whatsapp-Gruppe und sieben Tage Vorbereitung mitten in der Club-Saison. „Die Chemie war nie weg, nur der Flug war lang“, scherzt Keys, während sie ihre Kinesio-Tapes abzieht.

Der fehler, der sie stärker machte
Bei der EM schmetterte Belgien die Italienerinnen in die Verlängerung, Tränen auf dem Parkett. Cubaj erinnert sich: „Wir standen uns an der Mittellinie an, haben uns umarmt und gesagt: nächstes Spiel gewinnen wir. Kein Trainer, kein Psychologe – nur wir zwölf.“ Genau diese Niederlage wurde zur DNA. Seitdem holt Italien 42 % der Offensive Rebounds, Platz zwei der Qualifikation, obwohl die Körpergröße nur Rang sieben beträgt.
Cecilia Zandalasini, die Schweizer Uhr am langen Arm, zieht mit 1,95 m die Defense auseinander. Ihre 45 % von jenseits der Bögen zwingen Gegner zu Switch-Varianten, die Cubaj sofort ausnutzt. „Wenn sie dribbelt, glauben alle, sie würde sofort werfen. Ich bewege mich in die Lücke – Korb oder Freiwurf“, erklärt Cubaj. Einfache Physik, gnadenlos umgesetzt.

Berlin ruft – mit einem neuen selbstbewusstsein
Die Auslosung Ende Juni verspricht Gruppen mit USA oder Australien, aber das schreckt niemanden mehr. Capobianco sagt: „Wir sind nicht Gast, wir sind Konkurrent.“ Das ständige Reisen zwischen WNBA, NCAA und Serie A1 hat der Gruppe eine resiliente Haut verpasst. Cubaj kennt Brooklyn, Mailand und Venedig – ihre Mitspieler kennen ihre Stärken. „Wenn du um 2 Uhr nachts in Atlanta noch Sprint läufst, weil die Trainerin es will, fällt dir ein Spanien-Spiel leichter“, lacht sie.
Der letzte italienische Auftritt bei einer WM war 1992, als die Hallen noch mit 40 Minuten Uhrzeit und Baumwoll-Trikots arbeiteten. Heute spielt Italien mit Datenbrillen und GPS-Armbändern, aber der Kern ist alter Römischer: Disciplina, unità, orgoglio. 9.000 Tickets sind schon weg, wenn die Azzurre im September im Mercedes-Benz-Arena auftreten. Cubaj zuckt mit den Schultern: „Wir wollen nicht nur dabei sein, wir wollen Viertel gewinnen.“
Das Turnier startet am 19. September. Bis dahin sind es 185 Tage, unzählige Flugmeilen und ein Geheimnis, das längst keines mehr ist: Italien kann sich jetzt mit den Besten messen – und das ohne Angst, sondern mit offenem Visier und verschrammten Ellenbogen. Die 32 Jahre Wartezeit sind vorbei. Der Countdown läuft.
