Italia will england ärgern: romano-gladiatoren gegen revanchistische rose
Rom brennt schon am Freitag. Im Olimpico brodelt es, weil die Italia zum ersten Mal seit 2013 eine Rose zerreißen will. Samstag, 17.40 Uhr, Anpfiff gegen ein England, das sich mit neun frischen Gesichtern selbst therapieren muss.

Quesada wagt den großen coup
Gonzalo Quesada lässt Capuozzo draußen und setzt auf Lorenzo Pani – kein Verlust, sondern ein Statement. „Wir wollen nicht nur dabei sein, wir wollen sie knebeln“, sagte der argentinische Taktiker nach dem Abschlusstraining. Nacho Brex kehrt in die Mitte zurück, Paolo Garbisi soll die Spielanlage schnüren wie ein Maestro. Dahinter lauert Ben Earl, der Anführer im Schatten, bereit, Italiens Traum mit einem Tritt in die Kante zu schicken.
Die Buchmacher lachen noch: 3,45 für den Heimsieg – ein Hohn, den Quesada in der Kabine an die Wand projiziert. „Jeder Cent ist ein Spieß in ihrer Rose“, brüllte er gestern, während die Physios die Waden von Zuliani und Lamaro einölen. Die Statistik? Seit 29 Duellen wartet Italien auf einen Sieg. Doch Statistiken sind nur gefräßige Papier tiger, wenn Tom Curry plötzlich allein gegen drei Azzurri steht.
England landet mit 9 Umstellungen in Rom – Borthwick rotiert, weil er muss. Elliot Daly bekommt die 15, Fin Smith die 10, und Maro Itoje trägt die Kapitänsbinde wie einen Schild gegen die eigene Krise. Die Rose blutet aus zwei Niederlagen, doch wer sie unterschätzt, tritt in die Falle: In den letzten 20 Minuten gegen Irland steckten sie 14 Punkte auf einmal ein – ein Warnschuss, der bis nach Trastevere hallt.
Die Wette der Woche lautet nicht auf Sieg oder Niederlage, sondern auf Tempo. Italien will 80 Minuten lang Rugby im Vorwärtsgang, England sucht die Lücke, wo der Koloss am dünnsten ist: zwischen 50. und 60. Minute, wenn Fischetti und Ferrari in die Knie gehen. Dann kommt George Martin vom Bank und rammt sich durch die Mitte wie ein Bulldozer durch einen Olivenhain.
Die Tribüne wird kochen. 70.000 Stimmen, ein Chor, der seit Jahrzehnten auf diesen Tag wartet. Die Curva Sud probte schon gestern „Va, pensiero“ – diesmal nicht für Verdi, sondern für Monty Ioane, den Flügel, der vor zwei Wochen noch in London gegen Marcus Smith in die Lüfte stieg. Wenn er diesmal landet, könnte die Rose endlich welken.
Kick-off in 24 Stunden. Die Wetterkarte verspricht 13 Grad und leichten Südwest – perfekt für schnelles Offload-Spiel. Die Zahlen sagen England. Das Herz sagt Rom. Und wenn der Schiri am Samstag pfeift, zählt nur noch eins: wer zuerst ins Grün tritt, um den Anderen zu erdolchen. 2013 war es ein 15:15 – diesmal soll es 16:15 werden, mit Italiens erstem Triumph seit der Ära Mallett. Die Rose hat Dornen, aber die Azzurri tragen Handschuhe.
