Italia vor dem abgrund: die play-offs schlagen wieder zu
Die Azzurri stehen vor einem Déjà-vu mit Ansage. Schon 2018 jubelte Schweden in Mailand, 2022 traf Nordmazedonien in Palermo das tödliche Tor – nun lauert im Play-off-Niedergang Nordirland. Drei Turniere in Folge ohne WM? Für Italiens Fußball wäre das ein Beinbruch ohne Pardon.
Die neue play-off-regel: alles oder nichts
Die UEFA hat das Format umgestellt. Statt Hin- und Rückspiel gibt es nur noch Einzelkämpfe. Heute in Bergamo, dem Hexenkessel der Gewiss-Stadion-Kurve. Gewinnt Spallettis Team, reist es am Dienstag entweder nach Sarajewo oder Cardiff – ein Los, das sich vor dem Fernseher entscheidet. Kein Rückspiel, kein Netz, nur 90 Minuten Wahrheit.
Die Statistik ist gnadenlos: seit der EM 2021 ist Italien in Pflichtspielen nur gegen England und Ungarn ungeschlagen. Die restlichen zehn Partien brachten sechs Pleiten. Die Tordifferenz: 8:15. Ein Champions-League-Quarterback würde diese Zahlen als „Risikoanalyse“ betiteln – hier heißt es schlicht: Notstand.

Gattuso erinnert sich: „der elfmeter brennt noch“
„Wenn Jorginho trifft, fahren wir 2022 nach Katar“, sagte Gattuso vor Reportern. Stattdessen flimmert der verschossene Schuss immer noch über die Retina vieler Italiener. Der Coach spricht vom „fantasma del playoff“, einem Gespenst, das sich jedes Mal neu erfindet. 2017 war es Ventura, der De Rossi auf der Bank ließ; 2021 war es Mancini, der auf drei Stürmer verzichtete. Heute ist es Spalletti, der seine Bank mit Retegui und Scamacca bestückt – zwei Namen, die in den Alpen noch kein Kind weckt.
Die Prognose der Wettbörsen: Italien 78 % Siegchance. Die Prognose der Historie: 0 % Vertrauen. Denn die Play-offs sind kein Fußballspiel mehr, sondern ein psychologischer Torturm. Nordirland reicht ein spätes Eckfoul, ein verlorener Kopfball, ein vergessener Abstauber. Und schon steht Michael O'Neill als neue Folterknecht in den Chroniken.
Die uhr tickt: 2026 rückt näher
In zwölf Tagen beginnt die Qualifikation für die WM 2026. Die Gruppauslosung findet statt – mit oder ohne Italien. Die FIFA hat bereits verkündet, dass das Teilnehmerfeld auf 48 Teams wächst. Sollte die Azzurri scheitern, wäre das nicht nur ein sportliches, sondern ein wirtschaftliches Erdbeben. Die Rai verliert bis zu 120 Millionen Euro Werbeumsatz, die FIGC muss Sponsoren erklären, warum ein Traditionskontinentale dreimal hintereinander den Anschluss verpasst.
Der Countdown läuft. Die Fans in Bergamo haben ihre Choreografie bereits geprobt: ein riesiges „26“, das sich in ein „M” für Mondiale verwandelt. Doch hinter der Fassade brodelt die Angst. Denn wer dreimal hintereinander vom Play-off-Gespenst gebissen wird, der trägt die Narbe ein Leben lang. Und Italien? Italien steht kurz davor, zur Fußball-Anekdote zu verkommen.
