Italia muss nach toronto und utah – wenn sie sich qualifiziert

Die Straße zur Weltmeisterschaft führt das Azzurri-Lager quer durch den amerikanischen Kontinent – und zwar doppelt. Toronto und Herriman (Utah) stehen als Basis-Camps bereit, sollte Italien den Play-off-Knock-out überstehen. Die Entscheidung fällt am 29. März in Solna gegen Schweden.

Erst kanada, dann der wilde westen

Die Logik der FIFA ist gnadenlos. Gruppe B spielt auf zwei Zeit­zonen, zwei Klimazonen, zwei kulturellen Galaxien. Erster Stopp: Ontario. Vom 6. bis 12. Juni quartiert sich die Mannschaft östlich des Niagara ein, um am 12. Juni im BMO Field gegen Gastgeber Kanada anzutreten. Toronto liefert internationes Flair, aber keine Ruhe – genau das bekommen die Spieler danach im Utah.

Herriman, 30 Kilometer südlich von Salt Lake City, hat 50 000 Einwohner, keine Großbaustelle und keine Boulevard-Paparazzi. Stattdessen bietet das Forza-Real-Training Center zwei Naturrasenplätze, ein High-Altitude-Gym und ein Bergpanorama, das an Western-Sets erinnert. Dort drehte John Wayne 1949 „She Wore a Yellow Ribbon“, dort trainiert heute Real Salt Lake. Perfekte Isolation vor dem zweiten Gruppenspiel am 17. Juni gegen die Schweiz in Los Angeles.

Die reisekarte liest sich wie ein roadtrip-album

Die reisekarte liest sich wie ein roadtrip-album

Nach der Partie in Inglewood geht es für 1 400 Kilometer nach Seattle, wo am 23. Juni Qatar wartet. Insgesamt 7 500 Kilometer Flugstrecke innerhalb von zwölf Tagen – Strecken, die Bundesliga-Profi Gündogan als „Mini-Tournee durch Zeitzonen“ kommentiert. Die FIFA verlegt Teams bewusst weit weg von den Metropolen, um TV-Blöcke optimal zu füllen. Die Spieler zahlen die Rechnung mit Jetlag.

Doch das ist erst der Anfang. Steigt Italien weiter, wird das Turnier richtig mobil: Achtelfinale in Texas oder Massachusetts, Viertelfinale möglicherweise zurück nach Kalifornien. Kein Ort wird zur Heimat, jeder Gegner zum Kurzzeit-Nachbarn. Bundestrainer Spalletti nennt das „Nomaden-Fußball – wir planen mit Thermometer, nicht mit Gefühl“.

Die Fans hingegen buchen schon. Laut Booking.com stiegen Hotel­suchen in Herriman um 340 %, in Toronto um 220 %. Die kanadische Metropole erwartet 150 000 Italiener, Salt Lake City rechnet mit 30 000. Die Wirtschaft jubelt, die Spieler packen.

Fazit: Entweder Italien fliegt nach dem Play-off nach Hause – oder sie durchquert Nordamerika wie eine Rockband auf Tour. Toronto liefert Show, Utah Stille. Beides braucht man, um Weltmeister zu werden. Die Tickets sind gebucht, die Koffer noch nicht.