Iranerinnen fliehen in australien: zwei bleiben zurück, der rest schweigt
Die iranische Frauen-Nationalmannschaft ist in Istanbul gelandet – ohne Fatemeh Pasandideh und Atefeh Ramezanisadeh. Die beiden Mittelfeldspielerinnen sind in Brisbane geblieben, knapp 14.000 Kilometer von zu Hause entfernt. Sie trainieren jetzt mit dem Brisbane Roar, während ihre Teamkameradinnen unter Polizeieskorte ins Hotel gefahren werden. Am Mittwoch sollen sie in den Iran zurückfliegen.
Die angst flog mit
Die Mannschaft war über Oman und Kuala Lumpur gereist, weil direkte Flüge aus Australien zu riskant waren. Ursprünglich hatten sieben Spielerinnen Asyl beantragt. Sie fürchteten Repressalien, weil sie gegen Südkorea nicht die Nationalhymne mitsangen. Mittlerweile haben fünf den Antrag zurückgezogen. Menschenrechtsorganisationen berichten von Drohungen gegen Angehörige und Eigentumsbeschlagnahmungen. Die Botschaft in Canberra schweigt zu den Vorwürfen.
Das Asia-Cup-Aus war sportlich bitter, politisch brisant. Die 0:3-Niederlage gegen Südkorea war nur Nebensache. Die Spielerinnen hatten sich vor dem Spiel demonstrativ den Mund verbunden. Die Bilder gingen um die Welt. Die iranische Führung reagierte mit Schweigen. Die Mannschaft durfte die Kabine erst nach zwei Stunden verlassen. Danach wurde das Training gestrichen.

Brisbane wird zum sicheren hafen
Pasandideh und Ramezanisadeh haben sich entschieden. Sie werden nicht mit nach Teheran fliegen. Stattdessen absolvieren sie beim Brisbane Roar Probetrainings. Der Klub bestätigt „Gespräche auf Arbeitsebene“. Eine Lizenz für die laufende A-League-Saison ist noch nicht genehmigt. Die australische Regierung bestätigte, dass die Asylverfahren laufen. Die Spielerinnen erhalten vorläufige Arbeitserlaubnisse.
Die übrigen 21 Nationalspielerinnen wurden in Istanbul von Vertretern des iranischen Konsulats empfangen. Augenzeugen berichten von festen Händedrücken und wortlosen Blicken. Die Mannschaft wurde in ein abgelegenes Hotel im Stadtteil Florya gebracht. Handykontakt zur Außenwelt ist unterbrochen. Die Rückkehr in den Iran erfolgt über eine Chartermaschine, Flugnummer und Uhrzeit werden geheim gehalten.
Die Geschichte wiederholt sich. Bereits 2011 blieben zwei iranische Skiläuferinnen im Ausland. 2021 wagte es eine ganze Volleyball-Mannschaft. Die Quote der Rückkehrer liegt bei 92 Prozent. Die meisten erklären sich später „zum Mitwirken bereit“. Die sportlichen Karrieren enden in der Regel in der zweiten Division. Das Regime setzt auf vernichtende Stille.
Für Pasandideh und Ramezanisadeh beginnt jetzt ein Neuanfang mit ungewissem Ausgang. Ihre Familien wurden vorgeladen. Die Mutter von Pasandideh musste ihre Arbeitsstelle in einer staatlichen Fabrik verlassen. Der Bruder von Ramezanisadeh wurde an der Universität Shahid Beheshti exmatrikuliert. Die Nachricht erreichte die Spielerinnen über verschlüsselte Voice-Mails. Sie haben sich trotzdem dagegen entschieden, zu kapitulieren.
Die AFC hat keine Untersuchung eingeleitet. Der Verband verwies auf „nationale Zuständigkeit“. Die FIFA verweist auf ihr Human Rights Policy Framework – und handelt nicht. Der australische Fußball-Verband FFA kündigte an, „konstruktive Gespräche“ zu führen. Konstruktiv bedeutet: Ein Visum kostet 4.150 australische Dollar. Ein neues Leben kostet mehr.
Die Uhr tickt. In 36 Stunden landet die Maschine in Teheran. Die Spielerinnen werden in ein Bus steigen, der sie direkt zur Azadi-Sportkomplex-Kaserne bringt. Dort wartet ein „Erklärungsgespräch“ mit Vertretern des Revolutionsgarden-Sportkomitees. Die Trainingstricks werden abgenommen. Die Handys werden eingesammelt. Die Karrieren sind zu Ende – außer für zwei, die sich in Brisbane für ein großes Risiko entschieden haben.
