Iran trägt kinder-fotos aufs feld – infantino bestätigt wm-teilnahme trotz protestwelle

Ein Moment des Schweigens, dann explodiert das Stadion: Beim 5:0 gegen Costa Rica hielten Irans Profis die Bilder von 170 toten Schulkindern in die Kameras – und Gianni Infantino reagiert wenige Stunden später mit einer handfesten Zusage für die WM 2026 in den USA.

Der protest, der fifa keine wahl lässt

Die Geste war so simpel wie brisant. Während der Nationalhymne in Antalya hoben Taremi, Gholizadeh & Co. die Fotos der Minab-Opfer hoch – Erinnerung an den Luftangriff vom 28. Februar, den die iranische Regierung bis heute als „Zufallstreffer“ abtut. Die FIFA drohte zunächst mit Ermittlungen wegen „politischer Symbole“, ließ dann aber nach, als die Bilder rund um den Globus gingen. Infantinos Kehrtwende folgt auf dem Fuß: „Iran wird spielen – in Seattle und Los Angeles, Punkt.“

Der Trick der Spieler: Sie verzichteten auf Banner, wählten stattdessen private Porträts – und machen damit jede Strafe zur Farce. Regel 4.3 der FIFA verbietet „provokante politische Aussagen“, doch wer bestraft trauernde Teamkameraden, wenn sie an ihre kleinen Cousins erinnern?

Infantinos pr-kalkül hinter der „einheit“-rhetorik

Infantinos pr-kalkül hinter der „einheit“-rhetorik

Der FIFA-Präsident nutzt die Aufmerksamkeit geschickt für seine alte Leier: Fußball als Heilsbringer. Dabei winkt er durch die Prärie der Geopolitik wie ein Rodeo-Clown – stets lachend, stets in Sichtweite der Kameras. Die Wahrheit: Ohne Iran fiele Gruppe B bei der WM auseinander, TV-Rechte in Westasien würden schmelzen, und die US-Organisatoren stünden vor halb leeren Stadien. 170 tote Kinder sind für Infantino Makulatur, aber 170 Millionen Dollar Zuschauereinnahmen sind es nicht.

Seine Aussage klingt nach Schulhof, wirkt aber wie ein Rundumschlag gegen europäische Abgeordnete, die Iran ausladen wollten. „Ein positiver Botschafter der Menschlichkeit“ – so nennt er ein Team, dessen Anhang seit Wochen „Tod der Diktatur“ skandiert. Ironie der Geschichte: Ausgerechnet in Seattle, Hochburg der LGBTQ-Bewegung, soll Iran auftreten – während die Regierung zu Hause Regenbogenflaggen als „westliche Propaganda“ diffamiert.

Pelkum blickt: was der sport lehrt

Pelkum blickt: was der sport lehrt

Wir kennen das Spielchen. Als TSV Pelkum 2021 das Kreispokalfinale gegen Reckenfeld aussetzte, weil deren Fanblock rassistische Sprechchöre anstimmte, schöpfte der Verband ebenfalls den Maximalsatz: „Sport überwindet alle Grenzen.“ Grenzen eben doch nicht – aber er zwingt uns, Farbe zu bekennen. Die Iraner nutzen ihre 90 Minuten, um das Schweigen zu brechen. Infantino nutzt sie, um Bilanzen zu retten. Wer hier Gewinner ist, entscheidet sich nicht auf dem Rasen, sondern in den Köpfen der Zuschauer.

Fazit: Ein Foto wiegt mehr als eine FIFA-Verwarnung. Und ein 5:0-Sieg schmeckt bitter, wenn die eigenen Kinder nicht mehr mitfiebern können. Seattle wird am 19. Juni 2026 zum Schauplatz werden – nicht nur der Tore, sondern auch der Tränen.