Irak schreibt fußball-geschichte – 40 jahre wm-fluch endet mit arnold-meisterplan
Der letzte Schrei im Al-Shaab-Stadion von Bagdad galt nicht dem Siegtreffer, sondern der Uhr: als Schiedsrichter Mateu Lahoz die Partie gegen Bolivien abpfiff, begann im Irak die längste Nacht seit 1986. 40 Jahre, zwei Kriege und ein halbes Dutzend gescheiterter Qualifikationen später hat die Löwen-Mannschaft endlich wieder ein Ticket zur Fußball-Weltmeisterschaft gelöst.
Graham arnold versteckte die stärken – bis zum knockout
Der australische Taktiker wusste, dass sein Kader nur dann überlebt, wenn niemand seine wahre Geschwindigkeit kennt. Deshalb spielte der Irak in der Quali meist im 4-5-1, ließ die Gegner dominieren und schlug in den letzten 20 Minuten zu. Das System funktionierte zweimal: gegen die VAE ein spätes 2:1 durch Mohanad Ali, im Play-off ein 3:2 nach Verlängerung – Ali Al Hamadi mit dem Golden Goal in der 118. Minute. Arnold nennt es "strategische Konditionierung"; seine Spieler sagen einfach: „Coach glaubt an uns, wenn wir selbst nicht mehr daran glauben.“

Der kader ist halb europa – und halb bagdad
Zwischen Kevin Yakob aus Aarhus und Ali Jassim vom Bagdader Stadtteam Al-Najma liegen nur 90 Minuten, aber Welten an Erfahrung. Die Defensive um Merchas Doski (Viktoria Pilsen) und Frans Putros (Indonesien-Klub Persib) bringt Zweikampfstärke aus europäischen Ligen, während Mittelfeldstratege Zidane Iqbal von FC Utrecht die Spielmacher-Rolle übernommen hat, die vor 18 Jahren noch Younis Mahmoud innehatte. Die größte Überraschung: Marko Farji, 19-jähriger Offensivjuwel aus Venedig, wurde erst vor vier Wochen in den Kader berufen – und liefert nun Tore im Stakkato.

Gruppe i wartet mit einem feuerwerk
Am 17. Juni um Mitternacht deutscher Zeit beginnt die Reise gegen Norwegen – ein Duell, das Arnold als „thermodynamische Prüfung“ bezeichnet. Fünf Tage später folgt Frankreich, und am 26. Juni das Afrika-Ticket gegen Senegal. Die 2007-Asienmeister wissen: eine Niederlage kann reichen, zwei bedeuten das Aus. Die Statistik spricht gegen sie: bei ihrer einzigen WM-Teilnahme 1986 in Mexiko schied der Irak mit null Punkten aus drei Spielen aus. Diesmal hat Arnold nur eine Devise: „Wir spielen nicht gegen Geschichte, wir schreiben sie neu.“
Die Fans in Bagdad haben schon begonnen, die Straßen zu tapezieren – nicht mit Plakaten, sondern mit alten WM-Trikots aus den 80ern. Die Message ist klar: wer einst das Asien-Turnier gewann, kann auch eine Gruppe mit Frankreich knacken. Und wenn das nicht klappt? Dann fliegt Arnold trotzdem als Held heim – schließlich hat er aus einem Team, das vor einem Jahr noch auf Rang 139 der FIFA-Weltrangliste stand, eine WM-Mannschaft geformt. Die Uhr tickt. 180 Tage bis zur Eröffnung.