Inter-youngster fegen betis hinweg: iddrissou und marello schreiben youth-league-geschichte

Fünf Tore, ein Platz wie ein Kessel, zwei Teenager, die plötzlich in einem Atemzug mit Thuram und Dimarco genannt werden – die Youth League lebt von Nächten wie dieser. Inter Primavera schlug Real Betis 5:3 und zog erstmals seit 2018 wieder ins Viertelfinale ein. Den Abend prägten zwei Namen, die sich selbst im Camp Nou noch gegenseitig zugerufen hätten: Jamal Iddrissou und Mattia Marello.

Der thuram von der via lamarmora

Iddrissou traf dreimal innerhalb von 67 Minuten, zwei Mal noch vor der Pause. Sein dritter Treffer war ein typischer Center-Abstauber, die beiden ersten kombinierte er aus Dribbling und trockenem Abschluss. „Ich schaue Marcus jeden Tag, seine Bewegungen sind mein Lehrfilm“, sagte der 18-Jährige nach Abpfiff. Die Statistik hinter dem Selbstvertrauen: 14 Treffer in 19 U19-Einsätzen, acht davon in der Youth League. Inter hat in dieser Saison kein zweites Talent, das häufiger trifft.

Betis-Coach José María Gutiérrez wechselte dreimal in der Abwehr, um die Rotationsangriffe zu stoppen. Es half nichts. Iddrissou riss Lücken auf wie ein Sturmwind durch Alcatraz. Sein zweiter Treffer fiel nach einer 40-Meter-Solo-Attacke, die mit einem Schlenzer in den rechten Winkel endete. Die spanische Presse twitterte binnen Minuten das Foto des lachenden Inter-Stürmers mit der Caption „Thuram in Miniatur“.

Marello schlägt wie dimarco – und das mit 17

Marello schlägt wie dimarco – und das mit 17

Mattia Marello stand links außen, wo sonst Valentin Carboni oder Francesco Pio Esposito spielen. Doch der Linksfuß aus Vicenza nahm sich den Freistoß, den niemand erwartete. 22 Meter, halbrechts, ein Kurvenball, der genau unter die Latte schlug. Der Keeper streckte sich, der Ball zischte – 2:0. „Ich habe gesehen, wie Federico gegen Dortmund getroffen hat, und dachte: Warum nicht ich?“, sagte Marello. Der Vergleich mit Dimarco ist nicht bloß ein Medien-Mem. Sechs Vorlagen, vier Freistoßtore, 85 % Passquote in der eigenen Hälfte – Zahlen, die an den Seniorspieler erinnern.

Inter-Coach Cristian Chivu ließ sich auf der Bank ein Mikro einfangen: „Wenn einer von den beiden an diesem Abend nicht spielt, gewinnen wir nicht.“ Es war kein Kompliment, sondern eine Feststellung. Denn zwischen den Treffern kassierte Inter drei Gegentore, weil die Mittelfeld-Raute zweimal einschlief. Doch jedes Mal antworteten die Youngster mit einem neuen Schlag. Das 4:3 war ein Konter, den Iddrissou einleitete und Marello mit dem Assist abschloss. Das 5:3 war die Premiere für Matias Mancuso, der aus 18 Metern ins rechte Eck traf. Drei Torschützen, drei verschiedene Herkunftsländer – das ist Inter heute.

Im Viertelfinale wartet jetzt Sporting Lissabon, ein Gegner, der in der Gruppenphase Atlético Madrid ausgeschaltet hat. Für Inter-Präsident Steven Zhang ist die Reise längst mehr als ein Nebenschauplatz. „Wir wollen europäische Spitze, auch in der Jugend“, ließ er nach dem Abpfiff verlauten. Die Tickets für das Rückspiel im Giuseppe Meazza waren binnen zwei Stunden ausverkauft. Ein Zeichen, dass die Kurve die Next-Gen-Helden bereits adoptiert hat.

Die Zahlen, die bleiben: Inter erzielte in dieser Youth-League-Saison 22 Tore – nur Barcelona traf öfter. Iddrissou steht mit acht Treffern auf Platz zwei der Torjägerliste, Marello führt die Vorlagenstatistik an. Wenn sie so weitermachen, flattern demnächst nicht nur die spanischen, sondern auch die portugiesischen Abwehrreihen auseinander. Die Nacht von Sevilla war ein Lehrstück: Wer jung ist und trifft, braucht kein Marketing – nur einen Ball und 90 Minuten Bühne.