Intervallfasten entzaubert: cochrane-studie entlarvt schlankmacher-märchen
Die Uhr tickt. 16 Stunden nichts essen, dann in zwei Stunden alles reinpfeffern – das versprachen Influencer als Wunderkur. Jetzt kommt die Cochrane-Review daher und zerstört den Mythos mit einer Handvoll Zahlen: Unter 5 % Körpergewicht in zwölf Monaten, dazu kein signifikanter Vorsprung gegenüber klassischer Kalorienreduktion. 1.995 Probanden, 22 randomisierte Studien, fünf Kontinente – alle kommen zum selben Schluss.
Die daten sprechen gegen den hype
Die Briten von Cochrane gelten als Goldstandard evidenzbasierter Medizin. Wer dort veröffentlicht, muss sich keine Twitter-Storms mehr erklären – die Fakten erledigen das. Luis Garegnani, Erstautor und Epidemiologe an der Universidad Hospital Italiano de Buenos Aires, formuliert es trocken: „Das Intervallfasten liefert keine klinisch relevante Überlegenheit.“ Wer also wegen der glatten Before-after-Fotos im Netz auf 5:2, 16:8 oder alternate-day verzichtet, wird am Jahresende kaum leichter sein als der Nachbar, der einfach auf Pommes verzichtet hat.
Die Studie unterscheidet hart zwischen biochemischen Nebeneffekten und dem, was am Ende auf der Waage steht. Hinweise auf verbesserte Insulinsensitivität oder niedrigere Entzündungsmarker existieren – aber sie zahlen nicht auf die Kernfrage ein: Wer schlank werden will, muss weiterhin das tun, das seit Jahrzehnten gilt: dauerhaft weniger Energie aufnehmen, als er verbraucht. Ob man dafür morgens um 7 Uhr oder erst um 13 Uhr frühstückt, bleibt eine Stilfrage.
Soziale medien versus peer review
Der Riss zwischen Fitness-Apps und Wissenschaft wird immer größer. Während Influencer mit Zeitraffer-Videos von sich selbst beim Plank-Training Millionen Follower begeistern, sitzen Statistiker in Oxford, Melbourne und Peking vor Excel-Tabellen, in denen die Standardabweichung größer ist als der Effekt. Der Markt für Fasten-Tracker wuchs allein 2023 um 19 % – trotz solcher Daten. Die Cochrane-Autoren sprechen deshalb von „nicht gerechtfertigter Aufmerksamkeit“ und fordern Konsumenten wie Ärzte auf, Erwartungen neu zu kalibrieren.
Die Botschaft ist klar: Weg von der Dogma-Frage „Was darf ich essen?“ hin zur Persistenz-Frage „Wie halte ich durch?“ Intervallfasten kann für manche Menschen ein hilfreicher Rahmen sein – so wie ein Marathon-Trainingsplan ohne Laufschuhe aber auch nicht läuft. Die Illusion, das Essensfenster allein würde Fett schmelzen, ist damit endgültig gestorben. Und die nächste Studie? Die wird vermutlich wieder von Instagram gelöscht, bevor jemand die Überschrift liest.
