Inter vor rom: doppelpack-traum und die last der vergangenheit

Mailand bebt – zumindest im Fußball. Die Nerazzurri stehen vor dem entscheidenden Duell gegen Como und träumen vom historischen Doppelpack aus Meisterschaft und Coppa Italia. Doch der Weg nach Rom ist gesäumt von Erinnerungen an verpasste Chancen und schmerzliche Niederlagen.

Die geister der vergangenheit

Die Scudetto-Feierlichkeiten sind zwar noch im Gange, doch im Umfeld der Inter Milan herrscht eine unterschwellige Anspannung. Der Gewinn der Meisterschaft löscht nicht die bittere Erinnerung an die Champions-League-Finale-Niederlage gegen Paris Saint-Germain aus. Und auch die Europa-League-Pleite gegen Bozen wirft einen langen Schatten. Ein Titelgewinn in der Coppa Italia wäre für Coach Chivu mehr als nur ein Trostpreis – er wäre ein entscheidender Schritt, um diese Dämonen zu besiegen und eine neue Ära einzuläuten.

Die letzte erfolgreiche Doppel-Saison der Nerazzurri liegt bereits eine Weile zurück. Im Jahr 2010, unter der Regentschaft von José Mourinho, gelang der perfekte Coup: Meisterschaft, Champions League und Coppa Italia. Ein Triplet, das in die Geschichte des Vereins eingegangen ist. Vorher, im Jahr 2006, wurde zwar auch die Meisterschaft gefeiert, doch dieser Triumph war von den dunklen Wolken des „Calciopoli“-Skandals überschattet. Der heutige Trainer, Chivu, könnte nun mit seiner Mannschaft etwas Großes schaffen und sein eigenes Kapitel in die Vereinsgeschichte schreiben – vielleicht sogar einen „Penta“ im Sinne einer neuen, persönlichen Erfolgsgeschichte.

Motivation und taktische kniffe

Motivation und taktische kniffe

Die Frage, die sich nun stellt, ist: Hat die Meisterschaft die Motivation der Mannschaft gebrochen? Ist die Euphorie verflogen? Das Hinspiel gegen Como endete torlos und lieferte wenig Anreize. Ein uninspiriertes Spiel, das beiden Teams anzhaftete. Doch die Zeiten haben sich geändert. Die schmerzhaften Erfahrungen in Europa sind verarbeitet, und die Konzentration liegt nun voll auf dem Pokal.

Trainer Chivu und sein Gegenüber, Cesc Fabregas, verfolgen unterschiedliche philosophische Ansätze. Während Chivu eine Linie der Kontinuität wahrt und die Grundlagen von Simone Inzaghi bewahrt, setzt Fabregas auf einen an den spanischen Fußball angelehnten Ballbesitzstil. Das letzte Ligaspiel gegen Sassuolo zeigte jedoch, dass Fabregas' Taktik anfällig für schnelle Gegenstöße ist - etwas, das die Inter heute Abend sicherlich ausnutzen wird. Wir erwarten ein Como, das defensiv stärker eingestellt ist und weniger Risiken eingeht.

Die Inter muss zwar auf die verletzten Lautaro Martinez und Alessandro Bastoni verzichten, doch mit Dumfries und Dimarco als treibenden Kräften auf den Außenbahnen sowie einem wiedererstarkten Nicolò Barella im Zentrum, sind die Chancen auf den Finaleinzug gut. Besonders Marcus Thuram könnte zum entscheidenden Faktor werden: In vier Partien gegen Como erzielte er bereits vier Treffer. Auch die Augen sind auf den jungen kroatischen Mittelfeldspieler Martin Baturina gerichtet, der bisher noch nicht den gleichen Einfluss wie Nico Paz hatte, aber das Potenzial dazu besitzt.

Die Nerazzurri stehen vor ihrer Chance, Geschichte zu schreiben. Ein Sieg gegen Como würde nicht nur den Traum vom Doppelpack am Leben erhalten, sondern auch den Weg für eine neue Ära im Mailänder Fußball ebnen.