Inter: ehemal-schiedsrichter-assistent lenkt spielerverhalten – und vermeidet strafen
Mailand – Ein Name, der im Schatten der Fußballwelt agiert, gewinnt nun an Bedeutung: Giorgio Schenone, der sogenannte „Club Referee Manager“ der Inter Mailand. Er ist kein Unschuldiger im komplizierten Spiel zwischen Verein, Schiedsrichterverein und Liga, sondern ein Schlüsselmann, der die Nerven der Spieler beruhigt und die Strafzähler reduziert. Und das, obwohl er selbst einst Pfeife und Zielfahne zur Seite gelegt hat.
Der mann, der das regelwerk erklärt und die stimmung beruhigt
Schenone ist seit fast sechs Jahren im Dienste der Nerazzurri tätig und verantwortet die Schulung der Spieler in Bezug auf die aktuellen Spielregeln. Er analysiert jede Woche die Schiedsrichterprofile, erklärt die Taktik und hilft so, Missverständnisse und unnötige Proteste zu vermeiden. Sein Einfluss reicht aber weit über die reine Regelkunde hinaus; er ist ein Kommunikator, der die Beziehung zwischen Verein und Schiedsrichterverein pflegt und die Ankunft der Unparteiischen im Stadion organisiert.
Die Verpflichtung von Schenone geht auf Gianluca Rocchi zurück, den ehemaligen Schiedsrichterboss, wie aus abgehörten Gesprächen im Zuge eines laufenden Ermittlungsverfahrens bekannt wurde. Sein aktueller Status als „nicht Beschuldigter“ wird von den Verantwortlichen der Inter betont, die ihm ihr vollstes Vertrauen entgegenbringen.
Ein Experte im Umgang mit Emotionen
Besonders im Nachwuchsbereich genießt Schenone hohes Ansehen als Mentor, der nicht nur das Regelwerk, sondern auch die Bedeutung des fairen Spiels vermittelt. Seine Erfahrung als Video Assistant Referee (VAR) in den letzten Jahren seiner Karriere hat ihn zusätzlich geschult. Sein LinkedIn-Profil preist ihn als jemanden, der „Spieler und Staff sowohl regulativ als auch verhaltensbezogen schult“ und Kurse im Auftrag des italienischen Fußballverbands durchführt. Der Präsident Giuseppe Marotta lobte Schenone kürzlich öffentlich und betonte, dass er maßgeblich dazu beigetragen habe, die Anzahl der gelben Karten zu reduzieren – in einem Fall war die Inter sogar das Team mit den wenigsten Verwarnungen.
Seine Kontakte zu den Schiedsrichtergremien sind zwar informell, aber wertvoll. Schenone war selbst als internationaler Schiedrichterassistent tätig und pflegte eine enge Freundschaft zu Rocchi. Auch die Zusammenarbeit mit Andrea De Marco, dem ehemaligen Schiedsrichter, der die Beziehungen zwischen der Unparteiischen-Vereinigung und den Vereinen koordiniert, ist ihm vertraut.

Der vorfall inter – atalanta: schenones einfluss wird deutlich
Der jüngste Fall Inter gegen Atalanta verdeutlicht die Bedeutung von Schenones Rolle. Nach der umstrittenen Tätigung von Cristian Chivu und den fragwürdigen Entscheidungen von Manganiello, insbesondere die Nicht-Berücksichtigung eines klaren Handelfmeters, ordnete die Inter eine Mediensperre an. Im Anschluss kam es zu einem klärenden Gespräch zwischen Schenone, der Mannschaft und De Marco, der ebenfalls anwesend war.
Die Inter wird von vielen als benachteiligt wahrgenommen, aber Schenone scheint den Weg zu ebnen, um solche Situationen zu entschärfen und die Nerven der Spieler zu beruhigen. Das Ziel ist klar: Ein ruhigeres Spiel, weniger Proteste und somit weniger Strafen für die Nerazzurri. Die Strategie scheint aufzugehen – zumindest vorerst.
Die Zahlen sprechen für sich: Die Reduzierung der gelben Karten ist ein deutlicher Indikator für die Wirksamkeit von Schenones Arbeit. Doch seine Rolle geht weit darüber hinaus: Er ist ein Vermittler, ein Stratege und ein wichtiger Baustein für den Erfolg der Inter Mailand. Ob dieser Ansatz langfristig Früchte tragen wird, bleibt abzuwarten – doch im Moment scheint die Nerazzurri mit einem Mann im Hintergrund einen entscheidenden Vorteil zu haben.
