Infantino zockt ab: 500 mio. ticketwünsche als rechtfertigung für wm-wucher

Gianni Infantino lässt die Preis-Keule sprechen. 500 Millionen Ticketanfragen – eine Zahl, die den FIFA-Präsidenten in Vancouver schier euphorisch wirken ließ. Doch dahinter verbirgt sich weniger Begeisterung als blanker Zynismus.

Die rechnung geht nicht auf

„Wir hatten zehn Mal mehr Bewerber als je zuvor“, posaunte der Schweizer vor den Delegierten. Die Botschaft: Wo so viele wollen, darf man auch mehr verlangen. Klingt logisch, ist es aber nicht. Denn die 500 Millionen sind keine garantierten Käufer, sondern bloße Registrierungen – ein Klick im Browser, nichts weiter.

Die Fans in Europa rühren indes nicht die Werbetrommel. Verbraucherschützer haben die EU-Kommission eingeschaltet. Ihr Vorwurf: Der Verband erpresse mit künstlicher Verknappung horrende Preise. Ein Katzensprung in den offiziellen Shop bestätigt: Für das Eröffnungsspiel in New York kostet die günstigste Karte 831 Euro, die teuerste 1.600 – ohne Pfand, ohne Transport, ohne Übernachtung.

Infantino kontert mit dem Sozialticket-Argument: „Es gibt teure Tickets, ja, aber es gibt auch erschwingliche.“ Die günstigste Kategorie startet bei 40 Dollar – allerdings nur für Gruppenspiele in kanadischen Provinz-Stadien, 4.000 Kilometer vom glamourösen Finale entfernt. Ein Häppchen, das kaum jemand kauft, aber jede Statistik schmückt.

Die fifa-kasse klingelt für den rest der welt

Die fifa-kasse klingelt für den rest der welt

„Alle Einnahmen fließen zurück an den Fußball“, beteuert der Präsident. Tatsächlich: 1,8 Milliarden Dollar sind für Entwicklungsprogramme vorgesehen. Was nicht erwähnt wird: 4,7 Milliarden bleiben in der Zentrale, davon allein 1,2 Milliarden für „Verwaltung und Marketing“. Umgerechnet: Jeder einzelne der 500 Millionen virtuellen Interessenten subventioniert die FIFA mit rund neun Euro – ohne je ein Ticket berührt zu haben.

Die Zahlen lügen nicht, sie erzählen nur die halbe Geschichte. Was in Vancouver als Erfolgsstory inszeniert wurde, ist am Ende ein einziges Preis-Experiment auf dem Rücken jener, die den Sport am Leben erhalten: der Fans. Sie liefern die TV-Quoten, sie füllen die Stadien, sie bezahlen die Trikots. Und nun auch die 831-Euro-Karte für ein Spiel, das vielleicht 1:1 endet.

Die WM 2026 wird die erste mit 48 Teams, der erste Triple-Continent-Termin, die erste mit Milliarden-Gewinn – und ganz sicher nicht die letzte, bei der die FIFA Nachfrage als Freibrief für Wucher missbraucht. Infantino hat den Deckel wieder fest zugedrückt. Die nächsten 500 Millionen Klicks sind nur einen Browser-Tab entfernt.