Infantino im iran-dressingroom: eskalation nach wm-debakel?

Los Angeles – Die Stimmung im iranischen Team ist nach dem knappen Sieg gegen Neuseeland verheerend. Ein Besuch von FIFA-Präsident Gianni Infantino im Dressingroom konnte die aufkommende Wut nicht bändigen, im Gegenteil: Die Situation eskalierte, als Teamkapitän Mehdi Taremi und Teamchef Amir Ghalenoei ihre Unzufriedenheit öffentlich äußerten.

„Wir sind das am stärksten benachteiligte team“

Die Vorwürfe der iranischen Nationalmannschaft sind heftig. Spieler und Trainer sprechen unisono von einer unglaublichen Benachteiligung während des Turniers. Die Reise nach Los Angeles war ein logistischer Albtraum, mit ständig wechselnden Trainingsorten und kurzfristig geänderten Reiseplänen. Die verzögerte Visabeschaffung betraf nicht einmal die gesamte Delegation. Und dann die Anweisung, das Stadion unmittelbar nach dem Spiel verlassen zu müssen, ohne die Möglichkeit, eine zweite Nacht in Los Angeles zu verbringen. Das alles, während gleichzeitig ein fragwürdiges Friedensabkommen zwischen dem Iran und den USA unterzeichnet wurde.

Teamchef Ghalenoei äußerte sich sichtlich frustriert: „Wir wurden angewiesen, das Stadion sofort zu verlassen. Das ist sehr beunruhigend. Wir wissen nicht, warum wir so behandelt werden. Es wirkt, als ob jemand andere Pläne für uns schmiedet.“

Mehdi Taremi, der Ex-Inter-Stürmer, ließ seiner Enttäuschung freien Lauf: „Unser Präsident ist nicht hier, unsere Medien sind nicht hier, viele unserer Führungskräfte sind nicht hier. Für uns ist das ein Desaster.“ Die fehlende Unterstützung durch den Verband und die schwierigen Reisebedingungen belasten die Mannschaft enorm.

Infantinos besuch: ein tropfen auf den heißen stein?

Infantinos besuch: ein tropfen auf den heißen stein?

Gianni Infantino versuchte, die Situation zu entschärfen, indem er das iranische Team besuchte und Verständnis für ihre Probleme zeigte. Er betonte, dass sie „stärker als all das“ seien und eine „starke Botschaft an die Welt“ senden würden. Doch seine Worte scheinen kaum Wirkung zu zeigen. Taremi reagierte spöttisch auf Infantinos Besuch: „Er versucht uns sicherlich zu helfen, aber es gibt noch andere Dinge im Gange. Ich muss nicht erwähnen, wo wir uns befinden.“ – eine klare Anspielung auf die politischen Spannungen zwischen dem Iran und den USA.

Die Flugrückreise war für Montagabend angesetzt, was bedeutete, dass der Team-Bus das SoFi Stadium bereits zwei Stunden nach Spielende verlassen musste. Ein Fakt, der von den iranischen Spielern als weitere ungerechtfertigte Hürde empfunden wird. Das US-Innenministerium rechtfertigte die Anordnungen mit den geltenden Reisebeschränkungen für iranische Staatsbürger.

Mohammad Mohebbi, der ein Tor gegen Neuseeland erzielte, brachte es auf den Punkt: „So werden wir schneller müde als die anderen. Ich finde es unfair.“ Die Spieler betonen, dass sie unter diesen Umständen nicht optimal auf die kommenden Spiele vorbereitet werden können.

Die Situation unterstreicht die politischen und logistischen Herausforderungen, mit denen der Iran bei dieser Weltmeisterschaft konfrontiert ist. Es bleibt abzuwarten, ob die FIFA in der Lage sein wird, die Situation zu verbessern und den iranischen Spielern die notwendige Unterstützung zu gewähren. Eines ist jedoch klar: Die Kritik am Weltverband ist lauter denn je.

Taremi schloss die hitzige Diskussion mit einem Aufruf an die iranischen Fans: „Es ist eine schlechte Situation, aber wir bedanken uns bei allen Iranern, die hierhergekommen sind, und wollen ihnen Freude bereiten.“ Ein Appell, der die Entschlossenheit des Teams trotz aller Widrigkeiten widerspiegelt.