Imperio triumphiert in batumi: eine unglaubliche renaissance!
Batumi, Georgien – Ein Moment der Stille, gefolgt von einem ohrenbetäubenden Applaus. So könnte man die Leistung von Giulia Imperio bei den Europäischen Meisterschaften in Batumi beschreiben. Nach zwei Jahren der Leidenszeit, einer Operation an der Schulter und einem steinigen Weg ist die italienische Gewichtheberin zurückgekehrt – und hat triumphiert. Mit Gold im Strappo (78 kg), Reißen (98 kg) und im Gesamtgewicht (48 kg) hat sie nicht nur die Konkurrenzdominiert, sondern auch eine persönliche Geschichte des Wiederaufstiegs geschrieben.
Von der verletzung zur wiedergeburt: ein psychologischer marathon
Die Verletzung im November 2024 war ein Schock. "Es war eine dunkle Zeit“, gesteht Imperio. „Ich dachte, es gäbe kein Ende.“ Doch tief in sich wusste sie, dass sie zurückkehren würde – und stärker als zuvor. Dieser Glaube war entscheidend, ebenso wie die intensive Zusammenarbeit mit ihrem Ernährungsberater Riccardo Romano und ihrem Trainer Aristide Guerriero. Sie verloren nicht nur Gewicht, sondern bauten auch gezielt Muskelmasse auf.
Doch der Weg zurück war nicht nur sportlicher Natur. Imperio spricht offen über "persönliche Schwierigkeiten“, die sie in dieser Zeit bewältigen musste. "Es war eine Wiedergeburt sowohl als Athletin als auch als Mensch“, erklärt sie.
Besonders beeindruckend: Der mentale Aspekt. Mit dem Mental Coach Mauro Gatti hat sie intensiv an ihrer Einstellung gearbeitet. „Ich habe gelernt, die Emotionen zu nutzen, anstatt mich von ihnen überwältigen zu lassen“, so Imperio. Es ist eine neue Reife, die man in ihren Augen erkennen kann – eine Reife, die weit über das sportliche Ergebnis hinausgeht.

Die entscheidung für die 48 kg-klasse: ein riskantes unterfangen
Ein weiterer strategischer Schachzug war der Abstieg in die 48 kg-Klasse. Ein Kilogramm kann im Gewichtheben die Welt bedeuten. „Es war nicht einfach. Ich musste Gewicht verlieren und gleichzeitig Muskeln aufbauen“, sagt Imperio. Doch die harte Arbeit zahlte sich aus.
Von 2022 bis 2026 hat sich nicht nur ihr Körper verändert, sondern auch ihre Persönlichkeit. „Ich fühle mich sicherer, bewusster“, beschreibt sie. Sie ist nicht mehr das junge Mädchen, das vor Jahren in Albanien ihren ersten EM-Titel gewann. Sie ist eine Kämpferin, die gelernt hat, mit Rückschlägen umzugehen und gestärkt daraus hervorzugehen.
Und dann ist da noch die persönliche Geste: Der Sieg ist ihrer verstorbenen Großmutter Teresa gewidmet. „Sie war mir sehr wichtig“, sagt Imperio mit bewegter Stimme. „Es war nicht einfach, mit diesem Verlust umzugehen.“
Die Entscheidung, ihr Heimatdorf Monteparano im Alter von 15 Jahren zu verlassen, um in Rom zu trainieren, war ein großer Schritt. „Anfangs fühlte es sich wie Freiheit an. Aber dann merkt man, wie sehr man seine Familie vermisst“, erinnert sie sich. Die täglichen Videoanrufe halten sie jedoch mit ihren Liebsten verbunden.
Es ist bemerkenswert, wie Imperio zum Gewichtheben kam. Ursprünglich war sie im Bereich der Leichtathletik aktiv, insbesondere im Sprint. Doch ein Zufall führte dazu, dass sie Strappo und Reißen ausprobierte – und gewann sofort zwei italienische Meistertitel. Seitdem gibt es kein Zurück mehr.
Mehr als nur eine Athletin: Imperio nutzt ihre Popularität in den sozialen Medien (über 740.000 Follower auf Instagram), um ein positives Image des Gewichthebens zu vermitteln. „Ich möchte zeigen, dass es nicht nur etwas für Männer ist“, erklärt sie. „Bei der EM waren mehr Frauen als Männer am Start.“
Ihre Vorbilder? Usain Bolt und LeBron James – Athleten, die durch harte Arbeit und Disziplin Höchstleistungen erzielen.
Und was die Zukunft bringt? Die Olympischen Spiele stehen im Fokus. Die Gewichtsklasse hat sich geändert, nun gibt es die 53 kg-Klasse. „Es wird nicht einfach sein, aber wenn ich glaube, dass es möglich ist, dann werde ich es versuchen“, sagt Imperio mit Entschlossenheit. Die Herausforderung nimmt sie an – und das mit der unbändigen Kraft einer Kämpferin, die aus der Asche auferstanden ist.
Ihre Geschichte ist ein Beweis dafür, dass wahre Stärke nicht nur im Gewicht liegt, sondern auch in der Widerstandsfähigkeit des Geistes.
