Igor protti: ein lächeln auf der bahn und die stärke der akzeptanz
Ein Abschied, der mehr ist als nur ein Fußballer-Vermächtnis. Der Tod von Igor Protti, einem Mann, der mit seiner Herzlichkeit und seinem unerschütterlichen Glauben an das Leben selbst in den dunkelsten Stunden Hoffnung spendete, lässt die Fußballwelt stillstehen. Seine Geschichte, erzählt durch die Augen des renommierten Sportjournalisten Luigi Garlando, offenbart einen Menschen von außergewöhnlicher Tiefe.

Die begegnung am bahnhof: ein karton voller menschlichkeit
Es war Januar 1996. Candido Cannavò, ein Name, der im italienischen Fußball für Weitsicht und Instinkt steht, befahl mir, den jungen Stürmer des FC Bari kennenzulernen. Igor Protti, gerade erst zum Torschützenkönig der Serie A gekürt, hatte die Liga im Sturm erobert. Ich sollte über seine Wurzeln, seine Reise von Rimini nach Messina, schließlich nach Bari, berichten – ein „Emigrant im Rückwärtsgang“, wie er selbst sagte. Ein Fotograf, der ihn mit einer einfachen Pappe, einem Karton mit Seil, ausstattete, wollte ein Symbol der Migration einfangen. Doch Protti lächelte, als er sich umdrehte. Sein Lächeln, so Garlando beschreibt es, war mehr als nur ein Lächeln – es war eine Botschaft.
„Ich bin ein Emigrant im Rückwärtsgang“, sagte er, „von Rimini nach Messina, Bari… Es schmerzt, so viele Arbeitslose bei unseren Trainingseinheiten zu sehen. Das ist die Schuld eines unausgeglichenen Nachkriegs. Es wäre gerechter gewesen, wenn ich im Süden geboren wäre.“ Diese Worte, gesprochen von einem jungen Mann auf dem Höhepunkt seiner Karriere, zeigten eine Sensibilität und ein Mitgefühl, das weit über den Fußball hinausging.
Die Schatten der Krankheit und der Glaube
Die Geschichte seines Vaters, der an Lungenkrebs erkrankte, ist herzzerreißend. „Es sah heilbar aus: Ich weinte vor Freude. Aber es ging in sein Gehirn über. Mein Sohn wurde gerade geboren. Papa sagte: ‚Ich möchte ihn nur einmal sehen.‘“ Der Wunsch seines Vaters wurde erfüllt, nur 20 Tage bevor er verstarb. „Da habe ich mit Gott abgeschlossen“, gestand Protti. „Er konnte nicht warten?“ Diese Momente des Schmerzes und des Glaubens prägten seinen Charakter und gaben ihm eine ungewöhnliche Stärke.
Die Erinnerung an das Spiel gegen Juventus, in dem er kurz nach dieser bewegenden Befragung auch traf, ist untrennbar mit seinem Namen verbunden. Die Geste, sich das Trikot von Roberto Baggio zu wünschen, dem „Stärksten der Welt“, zeugte von seiner Bewunderung und seinem Respekt. Die gescheiterten Versuche beider, ihre Töchter am Altar zu sehen, stehen im krassen Gegensatz zur Freude von Protti, als er seine Tochter Noemi an diesem besonderen Tag begleiten konnte, selbst im Angesicht der Krankheit.
Garlando schließt mit einem Zitat des kubanischen Schriftstellers Ernest Hemingway: „Der Mensch kann getötet werden, aber nicht besiegt.“ Igor Protti wurde zwar von dieser Welt genommen, doch sein Vermächtnis, die Erinnerung an sein Lächeln auf der Bahngleise von Bari, sein unerschütterlicher Glaube und seine Akzeptanz des Schicksals, wird weiterleben.
