Ignatow zerreißt mt-moral: „hängende köpfe passen mir nicht“

24:31 in eigener Halle – und wieder stehen die MT-Rechtsaußen mit leeren Blicken da. Dimitri Ignatow, selbst am Rande des Spielfelds mit Fieber gekämpft, wartete nach Abpfiff keine Sekunde: „Viele hängende Köpfe, das passt mir nicht.“ Der Satz hallt noch durch die Kabine von Melsungen.

Die sieben-tore-blues: chancen verpulvert, glaube verspielt

35 Minuten lang lief die MT auf Augenhöhe mit dem VfL Gummersbach. Dann platzte der Knoten – oder besser: das Selbstvertrauen. „Wir haben die klaren Torchancen nicht genutzt“, so Ignatow. Die Statistik liefert die Quittung: nur 48 % Trefferquote aus dem Rückraum, dazu neun technische Fehler. Die Gäste nutzen jeden zweiten Konter, Melsungen nur jeden vierten. Die Zahl lügt nicht.

Ignatow saß am Spielfeldrand, stemmte sich mit der Stimme gegen die aufsteigende Resignation. „Ich habe versucht, von der Bank aus anzusprechen, dass wir weiter machen müssen.“ Doch die Körpersprache des Teams erinnerte an einen Boxer, der weiß, dass der nächste Schlag ins Kinn kommt – und trotzdem nicht ausweicht.

Verlängerung trotz krise: vertrauen statt kontinuität

Verlängerung trotz krise: vertrauen statt kontinuität

Warum bleibt Ignatow in dieser Schieflage? „Fynn Lemke und Andreas Mohr haben mir das Vertrauen gegeben, dass sie weiter mit mir planen“, sagt der 27-Jährige. Kein Sentiment, kein Heimatbonus – reine Kalkulation. Der gebürtige Nordhesse unterschreibt auf Verein und Region, aber die Kündigungsfrist steckt im Kleingedruckten. Sportlich wie psychologisch ein Rettungsanker für einen Klub, der in der Liga abstürzt, während er in Europa noch Träume währt.

Die MT steht in den Play-offs der European League. Ein Final4 würde Geld, Prestige, TV-Präsenz bringen. Ignatow wirft aber den Stein ins Wasser: „Was bringt es uns, wenn wir im Final4 stehen, aber nächstes Jahr nicht wieder Europapokal spielen?“ Die Botschaft: Kein Halten in zwei Welten. Liga runter, Europa rauf – so geht Pleite.

Sein persönlicher Plan klingt schlicht: „Verletzungsfrei bleiben.“ Keine Titel, keine Tore, nur der Körper. Weil er weiß: Ohne ihn fehlt nicht nur der Rechtsaußen, sondern auch der einzige, der laut genug ist, um die Köpfe wieder hochzunehmen.