Lindemanns coup: kickers emden holt ex-jeddeloh-coach!

Ein überraschender Wechsel erschüttert den niedersächsischen Fußball: Björn Lindemann verlässt den SSV Jeddeloh II und übernimmt im Sommer das Ruder bei den Kickers Emden. Der erfahrene Coach spricht im exklusiven Interview über seine ambitionierten Pläne, die Kaderplanung und die ungewöhnlichen Umstände seines Abschieds.

Ein neustart unter profibedingungen

Lindemanns Entscheidung für Emden ist kein plötzlicher Impuls, sondern das Ergebnis einer intensiven Auseinandersetzung mit den Perspektiven des Traditionsklubs. "Es war keine Entscheidung gegen Jeddeloh“, betont er, „aber Henning Rießelmanns Vision hat mich sofort überzeugt. Kickers ist ein Verein mit einer leidenschaftlichen Fankultur – das ist für mich extrem reizvoll.“ Rießelmanns Ansatz, einen neuen Spielstil zu etablieren und auf junge Talente zu setzen, deckt sich nahtlos mit Lindemanns Philosophie.

Der Coach spricht von einem „weißen Papier“, das es ihm ermöglicht, eine eigene „spielerische DNA“ zu entwickeln. Zukünftig sollen verstärkt Trainingseinheiten am Morgen die Leistung der Spieler weiter optimieren. Die Bedingungen in Emden versprechen einen deutlichen Qualitätszuwachs, insbesondere im Vergleich zu dem, was Lindemann als „Landesliga-Niveau“ in Jeddeloh einst beschrieb.

Der abschied von jeddeloh: mehr als nur ein wechsel

Der abschied von jeddeloh: mehr als nur ein wechsel

Der Weg nach Emden war nicht frei von emotionalen Hürden. Rolf Bley, der Aufsichtsratschef von Jeddeloh, hatte öffentlich erklärt, Lindemann unbedingt halten zu wollen. Ein Wechsel nach Osnabrück wäre nachvollziehbar gewesen, doch Emden kam für Bley nicht in Frage. „Ich habe in Jeddeloh immer gesagt, dass ich nicht vom Hof wegrenne“, erklärt Lindemann. Er erinnert an die schwierigen Zeiten, den Todesfall von Hannes Eckbauer, den Punktabzug und den Abstiegskampf – Erlebnisse, die den SSV zu einer „zweiten Heimat“ machten. „Ich komme dort mit allen super klar“, so Lindemann, „aber Osnabrück hätte ich zu Fuß verlassen, da fehlte mir die Pro-Lizenz.“

Die fehlende Lizenz war letztlich ausschlaggebend für seine Entscheidung. Kickers Emden bietet ihm nicht nur die Möglichkeit, unter Profibedingungen zu arbeiten, sondern auch den Zugang zu einem Lehrgang, der ihn seiner Zielvorgabe näherbringt.

Kaderumbruch und neue gesichter

Kaderumbruch und neue gesichter

Lindemann plant einen umfassenden Umbruch im Kader. „Jung und hungrig“, so seine Devise. Er setzt auf Talente aus Nachwuchsleistungszentren, die für die Herausforderung brennen. Eine stabile „Achse“ erfahrener Regionalliga-Spieler soll jedoch für die nötige Balance sorgen. Erfahrene Kräfte wie Dennis Engel, David Schiller oder Kai Kaissis werden den Schritt in den Profifußball nicht wagen, was Lindemann zwar bedauert, aber als unvermeidlich ansieht. „Wenn der Kopf nicht zu 100 Prozent dahintersteht, macht es keinen Sinn.“

Besonders seine Wertschätzung für Tido Steffens, eine Vereinslegende in Emden, ist deutlich: „Für ihn würden wir gerne eine Ausnahme machen.“ Die Vereinbarung mit Steffens hängt jedoch von dessen familiären und beruflichen Verpflichtungen ab.

Kampfgeist und spielerische eleganz

Kampfgeist und spielerische eleganz

Die neue „spielerische DNA“ soll auf schnellem, flachem Passspiel basieren, ohne jedoch den kämpferischen Geist und die Mentalität zu vernachlässigen. „Diese Grundtugenden gehören immer dazu“, betont Lindemann. Er sieht Kickers Emden als Sprungbrett für junge Talente und ist zuversichtlich, dass der Verein in der Regionalliga Nord wieder eine wichtige Rolle spielen kann.

Mit einem Blick auf die Zukunft sagt Lindemann: „Wir alle wollen Aufstiege und Pokalsiege feiern. Was im Fußball am Ende herauskommt, ist aber nicht immer komplett planbar.“ Dennoch blickt er optimistisch nach vorn und ist fest entschlossen, Kickers Emden wieder zu alter Stärke zu verhelfen. Die kommenden Wochen in Jeddeloh versprechen Spannung, insbesondere im Hinblick auf den Pokal – ein letzter Triumph für den scheidenden Coach.