Ice-man mensik trifft auf zverev: roland-garros bekommt sein finale vor dem finale
Können 1,96 Meter junger Tscheche Alexander Zverevs Traum vom ersten Grand-Slam-Titel in Paris in Schutt und Asche legen? Jakub Mensik, 20 Jahre alt, 1,96 Meter groß und von Andy Roddick als „Prototyp“ gefeiert, steht freitagabend um 14.30 Uhr im Halbfinale. Die Bilanz vor Ort: drei Fünfsatz-Krimis, einmal Kreislaufkollaps, zweimal Wadenkrämpfe – und dennoch marschiert er, der „Ice-Man“, unbeirrt weiter.
Geschichte aus der zweiten runde klingt wie ein krimi
Mariano Navone aus Argentinien hatte ihn an diesem Tag schon besiegt, zumindest gedanklich. Nach 4:56 Stunden und 35-Grad-Glashaus-Temperatur sackte Mensik nach dem Matchball mit einem Ganzkörperkrampf auf dem Court zusammen. Physios schleppten ihn in die Kabine, Wasser, Salze, Eis – und 48 Stunden später zerlegte er Alex de Minaur, obwohl er Satz eins mit 0:6 abgegeben hatte. Bei dieser Geschwindigkeit kann man nur staunen.

Muskelfasern, publikumslieblinge und kalte zahlen
Im Viertelfinale gegen Joao Fonseca gab es die nächste Warnung: Ende des zweiten Satzes zog ein leichter Muskel in seinem linken Bein. „Es knackt, aber ich habe gelernt, mit Schmerzen zu leben“, kommentierte er nüchtern. Das Publikum, eigentlich fest entschlossen, den brasilianischen Jungstar anzufeuern, schwieg Sekunden später – 6:4, 6:3, 6:3 lautete die nüchterne Antwort. Die Statistik: 17 Asse, 41 Winner, nur 19 unerzwungene Fehler. Ein Gedicht aus Zahlen.

Warum die legenden jetzt schwärmen
Andy Roddick legte sich im „Served“-Podcast fest: „Dieser Typ ist echt. Kalt, absolut eiskalt.“ Mats Wilander, der die Pariser Tombe drei Mal persönlich eroberte, stutzt noch immer: „Ich wusste nicht, dass er so variabel spielen kann.“ Und John McEnroe, Mikrofon in der Hand, scherzt halb ironisch: „Die amerikanischen Sender hoffen auf ein Mensik-Finale – so groß ist der Hype.“ Die These dahinter: Der Tscheche verkörpert das moderne Tennis-Klischee perfekt – Power, Länge, Ruhe.

Zverev kennt die antwort – zumindest aus madrid
Das einzige Duell bislang: April, Sand von Madrid, 6:4, 4:6, 6:3 für Zverev. Doch Roland Garros ist kein Masters-1000-Event. Zverev weiß es, sagt es aber nicht laut: „Er bringt dieselbe Intensität wie ich, nur ohne Emotion.“ Die Frage, die sich niemand traut laut zu stellen: Wenn Mensiks Bein hält, wie beendet er dann die fünfte Stunde eines Fünfsatz-Marathons? Die Antwort kommt Freitag, 14.30 Uhr, Court Philippe-Chatrier – und sie kommt schnell.
